Archiv Montag, 29. Januar 2007

Die Unhöflichkeit der Katze

Montag, 29. Januar 2007

Die Nachbarn im Erdgeschoss rechts besitzen eine Katze - langhaarig, die personifizierte Arroganz in Tierkörperform. Oft sitzt sie reglos am Fenster, stellt ihre Augen auf Fernsicht und blinzelt selbst dann nicht, wenn man ihren Blick kreuzt. Diese Art, einfach durch einen hindurchzusehen, empfindet jede Nicht-Katze als grobe Unhöflichkeit. Die bestbeobachteten Katzenbeschreibungen der Weltliteratur stammen von Uwe Johnson. Zum Beispiel dieser Satz: “Als er zurückkam, lag die Katze auf seinem Stuhl wie ein Burgwall: mit höherem Rückenwulst und dem niedrigeren Halbring von Hals und Kopf und sämtlichen Pfoten und Schwanz; den Kopf hatte sie fast gänzlich umgeben mit sich.” (Uwe Johnson, Mutmassungen über Jakob)

Kehrwoche

Montag, 29. Januar 2007

Jeder neue Mieter wird von Frau Müller in das Prinzip Kehrwoche eingewiesen. Sie erklärt, wie man die Treppe zu machen habe, womit sie meint: zu putzen. Keineswegs muss das ganze Haus geputzt werden, sondern nur der eigene Treppenabsatz und die dazugehörigen zwei Treppen bis zum nächstunteren Absatz. Einmal im Monat muss gefegt werden, ein weiteres Mal gefegt und gewischt. “Außerdem”, sagt Frau Müller streng, “sollten auch noch die Treppenhausfenster geputzt werden.” Das alles teilt man sich mit dem Mieter im selben Stockwerk, so dass man nur alle zwei Monate dran ist. Frau Müller wacht darüber, dass die Kehrwoche ordnungsgemäß eingehalten wird. Wie sie das tut, ist ungewiss, aber man kann sicher sein, dass sie die Vernachlässigung der Pflichten mitbekommt. Man tut also gut daran, sie zu erfüllen.