Archiv Sonntag, 18. Februar 2007

Frau Müller beschwert sich (2)

Sonntag, 18. Februar 2007

Dass man Musik eigenhändig herstellen kann, ist ein Konzept, das außerhalb von Frau Müller liegt. Ihr Begehren richtet sich auf den Ein- und Ausschalter ihres Radios, ihr Geschmack orientiert sich an Schlager und so genannter Volksmusik. Sie muss also eine Treppe höher steigen und sich beschweren, wenn wir Cello üben. „Das lassen Sie jetzt mal bitte sein, ja?“ sagt sie dann zum Beispiel. Das erste Mal beschwerte sie sich versehentlich über die Art des Übens anstatt über das Geräusch an sich. „Das ist doch kein Üben“, rief sie empört aus und hatte das Wort Lagenwechsel in ihrem Leben noch nicht gehört. „Das klingt ja wie Katzenmusik!“ Auch wollte sie nicht glauben, dass sie den Lärm ertragen muss. Unseren Hinweis, mindestens zwei Stunden dürfe man in einem Mietshaus jeden Tag üben, konterte sie mit einem siegesgewissen „Nein!“ Die Kopie der entsprechenden Seite aus dem Mieterlexikon, die wir ihr daraufhin überreichten, retournierte sie umgehend in unseren Briefkasten. Vielleicht hat sie sie aber gelesen, denn jetzt kommt sie nicht mehr jeden Tag. Was das Beschweren angeht, muss Frau Müller noch ein bisschen üben.