Korridore
Montag, 19. Februar 2007In der Hamburger Zentralbibliothek am Hühnerposten kann man derzeit eine Ausstellung mit schönen Büchern sehen. Beim Stichwort schöne Bücher fällt uns immer Das Papierhaus des argentinischen Autors Carlos Maria Dominguez ein, ein schönes Buch über Bücher und Menschen, die ohne Bücher nicht leben können. Ein Kriterium, nach dem dort die Experten Bücher beurteilen, sind die Korridore, die durch die Wortabstände entstehenden vertikalen oder diagonalen Strecken in einem Text - je länger die Korridore, desto größer der Autor, desto ranghöher sein Stil. Jemand in diesem Buch behauptet: “Ein Schriftsteller ohne Sprachrhythmus ist dazu nicht imstande. Er bringt zwei oder drei mehr als viersilbige Worte in einem Satz unter und zerstört damit die Sprache, weil er nämlich automatisch den Rhythmus und die Straßen durchbricht. Die sucht man dann vergeblich auf den Buchseiten.” Eine gewagte These. Wir wüssten gern, ob sie stimmt.