Archiv Montag, 26. Februar 2007

Müntefering und Frau Merkel

Montag, 26. Februar 2007

Wenn sich Frau Merkel und Herr Müntefering treffen, etwas besprechen und die Ergebnisse hinterher der Presse bekannt geben, berichtet das Radio so darüber: „Müntefering betonte dies und jenes. Frau Merkel legte besonderen Wert auf das und das.“ Wir finden, das ist eine diskriminierende Unsitte. Und das nicht, weil Frau Merkel schon im Wahlkampf dadurch auffiel, dass sie die Geschlechterfrage einfach außen vor ließ. Sondern weil es das Gleichheitsprinzip verletzt. Und weil sich aus der Ungleichbehandlung interpretatorisches Kapital schlagen lässt. Wir erinnern an einen berühmten Roman von Thomas Mann, in dem Hanno Buddenbrook und sein Freund Kai in der Schule den Brauch einführen, „von den Lehrern nur vermittelst ihres richtigen bürgerlichen Namens unter Hinzufügung des Wortes ‚Herr’ zu sprechen […]. Das ergab gleichsam eine ablehnende und ironische Kälte, eine spöttische Distanz und Fremdheit.“ In der Wissenschaft ist diese Form der Diskriminierung zum Glück längst abgeschafft. Niemand würde schreiben: „Foucault sagt dies und jenes, Frau Butler hält das und das dagegen.“ Liebe Journalisten, nehmt euch daran ein Beispiel und schafft endlich das pseudo-höfliche ‘Frau’ ab. Es heißt: Merkel. Merkel. Merkel.