Archiv Februar 2007

Versprechen

Mittwoch, 21. Februar 2007

In der Kassenschlange im Supermarkt des Elbe-Einkaufszentrums. Vor ein paar Monaten. Taxierender Blick nach hinten: Haben Sie nur diese beiden Sachen? Dann gehen Sie mal vor. Das ist aber nett, vielen Dank. Aber nur unter einer Bedingung: Das nächste Mal, wenn ich nur zwei Sachen habe, lassen Sie mich vor. Mach ich. Versprochen. Dann bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal. - Unnötig zu erwähnen, dass wir die Dame nie wiedergesehen haben.

Limerick (6)

Dienstag, 20. Februar 2007

A young man while dining at Crewe
fround quite a large mouse in his stew.
Said the waiter: “Don’t shout
or wave it about,
or the rest will be wanting one too.”

Korridore

Montag, 19. Februar 2007

In der Hamburger Zentralbibliothek am Hühnerposten kann man derzeit eine Ausstellung mit schönen Büchern sehen. Beim Stichwort schöne Bücher fällt uns immer Das Papierhaus des argentinischen Autors Carlos Maria Dominguez ein, ein schönes Buch über Bücher und Menschen, die ohne Bücher nicht leben können. Ein Kriterium, nach dem dort die Experten Bücher beurteilen, sind die Korridore, die durch die Wortabstände entstehenden vertikalen oder diagonalen Strecken in einem Text - je länger die Korridore, desto größer der Autor, desto ranghöher sein Stil. Jemand in diesem Buch behauptet: “Ein Schriftsteller ohne Sprachrhythmus ist dazu nicht imstande. Er bringt zwei oder drei mehr als viersilbige Worte in einem Satz unter und zerstört damit die Sprache, weil er nämlich automatisch den Rhythmus und die Straßen durchbricht. Die sucht man dann vergeblich auf den Buchseiten.” Eine gewagte These. Wir wüssten gern, ob sie stimmt.

Frau Müller beschwert sich (2)

Sonntag, 18. Februar 2007

Dass man Musik eigenhändig herstellen kann, ist ein Konzept, das außerhalb von Frau Müller liegt. Ihr Begehren richtet sich auf den Ein- und Ausschalter ihres Radios, ihr Geschmack orientiert sich an Schlager und so genannter Volksmusik. Sie muss also eine Treppe höher steigen und sich beschweren, wenn wir Cello üben. „Das lassen Sie jetzt mal bitte sein, ja?“ sagt sie dann zum Beispiel. Das erste Mal beschwerte sie sich versehentlich über die Art des Übens anstatt über das Geräusch an sich. „Das ist doch kein Üben“, rief sie empört aus und hatte das Wort Lagenwechsel in ihrem Leben noch nicht gehört. „Das klingt ja wie Katzenmusik!“ Auch wollte sie nicht glauben, dass sie den Lärm ertragen muss. Unseren Hinweis, mindestens zwei Stunden dürfe man in einem Mietshaus jeden Tag üben, konterte sie mit einem siegesgewissen „Nein!“ Die Kopie der entsprechenden Seite aus dem Mieterlexikon, die wir ihr daraufhin überreichten, retournierte sie umgehend in unseren Briefkasten. Vielleicht hat sie sie aber gelesen, denn jetzt kommt sie nicht mehr jeden Tag. Was das Beschweren angeht, muss Frau Müller noch ein bisschen üben.

Limerick (5)

Samstag, 17. Februar 2007

Ein Knabe fiel in Transvaal
in einen Fleischwolf aus Stahl.
Zwar verließ er sofort
gleich wieder den Ort,
jedoch - in größerer Zahl.

Hamburg Hbf

Samstag, 17. Februar 2007


Hamburg, Hauptbahnhof, Februar 2007

Fragen dieser Welt

Freitag, 16. Februar 2007

Die meisten Leute haben irgendwo eine Liste mit Fragen, die sie gerne einmal beantwortet hätten. Wie beruhigend wäre es zum Beispiel, wenn man schon zu Lebzeiten wüsste, was nach dem Tod kommt. Wie praktisch, wenn bekannt wäre, was genau im Gehirn passiert, während man schläft. Solche Fragen haben wir wegen ihrer offensichtlichen Unbeantwortbarkeit inzwischen von unserer Liste gestrichen. Sie besteht nunmehr aus zwei Sorten Fragen - erstens solche, die Naturwissenschaftler wahrscheinlich beantworten können, aber bis jetzt in unserer Gegenwart noch nicht getan haben, und zweitens solche, zu deren Beantwortung man eine komplexe philosophische Argumentation bemühen müsste, die aufzubieten wir zu faul sind. Ein Beispiel für die erste Sorte: Warum sieht man blaue Neonreklame im Dunkeln unscharf, gelbe, rote und grüne aber nicht? Eins für die zweite: Kann Seife dreckig sein?