Wellington, 19. März 1987

„Es war ein Fehler. Ich hätte nicht hierherkommen dürfen.
Weil ich nicht weiß, wie ich weiterleben soll in der Alten Welt. Du kennst meine Leidenschaft für die gute Luft, Gebirge, die See. Hier ist eine Stadt am Meer, das Wasser so sauber, daß mans trinken könnte. Wenn kein Salz drin wäre. Die Häuser sind um eine Bucht herum auf Bergen gebaut, so daß du von dort einen Blick auf Schiffe, die Landzungen gegenüber hast.
Das Licht ist hier anders. Klarer. Du mußt dir vorstellen, du würdest durch einen Fotoapparat alles scharf sehn. Aber die Skala in Richtung ‚Schärfe’ geht immer noch weiter. Die Konturen der Dinge sind nie so deutlich gewesen! […]
Ich gab den Rucksack und die Lacktasche unten in der Bibliothek ab, zog die Sandalen aus und lief barfuß über die Teppiche. Die Fenster waren geöffnet, Seeluft kam herein, und unter „Mans, Lit NZ“ fand ich Undiscovered Country. The New Zealand Stories of Katherine Mansfield. Herausgegeben von Ian A. Gordon. Mit insgesamt fünfzehn Geschichten von ihr, die ich noch nicht kannte. Nie gesehn! Ich lag auf dem Bauch (jemand neben mir tat das gleiche) und las About Pat. Nicht länger als drei Seiten, 1905 (da war sie siebzehn!) geschrieben: ‚In unserer Kindheit lebten wir in einem großen, weit abgelegenen Haus, das einsam inmitten riesiger Gärten, Obstgärten und Pferdeweiden stand.’…“
Christa Moog, Aus tausend grünen Spiegeln

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