Die Brille vom Papst
Die simpelste Methode, das eigene Leben mit der großen Geschichte zu verlinken, besteht darin, sich zu merken, womit man gerade beschäftigt war, während sich die Welthistorie bedeutend veränderte. Am 11. September 2001 zum Beispiel hörten wir zufällig gerade Radio und erlebten live eine Lehrstunde in den Fächern Katastrophenjournalismus und Improvisationskunst.
Als wir uns gestern durch die SZ-Rezension des neuen Papst-Buches quälten, fiel uns wieder ein, was wir im Moment der letzten Papstwahl taten: Wir warteten in einer Schlange vor der Ausleihtheke der AGB, der Berliner Amerika Gedenk Bibliothek. Durch deren Lautsprecher kommen sonst Durchsagen wie „Die Bibliothek schließt in 15 Minuten“, deshalb war es schon überraschend zu hören, wie da den Lesern auf einmal mitgeteilt wurde, ein Deutscher sei jetzt Papst. Noch überraschender war die Heftigkeit der Diskussionen, die nach dieser Mitteilung in der Bibliothek entbrannten – quer über die Ausleihtheke hinweg verlief die Grenze zwischen der Super-wir-sind-Papst-Fraktion und der Ach-du-Scheiße-dieser-erzkonservative-(hier fehlt uns jetzt ein Wort, Vorschlag irgendwer?)-Fraktion. Sehr unterhaltsam.
Weniger unterhaltsam war die erwähnte Rezension, noch weniger die Zitate aus dem Buch. Eins geht so: „Wo Gott nicht gesehen wird, verfällt der Mensch und verfällt die Welt.“ – Was für ein Blödsinn.
Patriarch des Abendlandes? Titan aller Titanen? Diamantenkranz der katholischen Kirche?
Montag, 16. April 2007, 14:09 Uhr von GittiMhmm.
Montag, 16. April 2007, 17:31 Uhr von NicolaJesus!