Deutsche Rüpel im Ausland

Wer glaubt, Deutschland sei überreguliert, der war noch nie in England. Extrem, selbst für dortige Verhältnisse, war ein Schwimmbad, in dem wir vor Jahren einmal badeten – wo das war, fällt uns bestimmt noch ein, wenn wir länger darüber nachdenken. Dort war jede Bahn benannt nach der Geschwindigkeit, mit der sie zu beschwimmen war: ganz links „dead slow“, ganz rechts „racing“, in der Mitte fünf oder sechs Zwischenstufen. Zudem war die Schwimmrichtung innerhalb der Bahnen genau festgelegt (links hin, rechts zurück), um den gesitteten und formvollendeten Ablauf von Überholvorgängen zu gewährleisten. Aus bestimmten Gründen schwammen wir in diesem Schwimmbad sehr früh morgens und waren die einzigen Badegäste mit Ausnahme einer älteren Dame in geblümter Badekappe. Ungeübt in der Einschätzung unserer Schwimmgeschwindigkeit suchten wir uns auf gut Glück eine der mittleren Bahnen aus und schwammen zu zweit nebeneinander, um uns unterhalten zu können. Damit verstießen wir zwar gegen das Richtungsgebot (links hin, rechts zurück), aber mangels Mitschwimmern war von Überholvorgängen ohnehin nicht auszugehen. Die Dame in der geblümten Badekappe allerdings sah von „slow“ aus missbilligend zu uns herüber, hob, als sie auf gleicher Höhe war, mahnend ihren Zeigefinger aus dem Wasser und sprach die wenigen aber deutlichen Worte: „Wrong side!“
Das war eine der beiden Gelegenheiten in unserem Erwachsenenleben, wo wir ernsthaft dachten, wir müssten vor Lachen ertrinken. Die andere war ebenfalls in England, im Meer vor Bournemouth, Frau Strecker wird sich erinnern. Jetzt ist uns auch wieder eingefallen, wo das Schwimmbad war: in Winchester, „that fine old city, aforetime capital of Wessex, which lay amidst its convex and concave downlands in all the brightness and warmth of a July morning”, wie es bei Thomas Hardy heißt.


  1. Na klar. zumindest an die Geschichte in Bournmouth… selten so gelacht!!!
    Die andere Anekdote war aber nicht von mir oder?
    Anbei: sehr nett geschrieben, das kannst Du echt prima!

    Dienstag, 24. April 2007, 19:06 Uhr von Frau Strecker

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