Von Äpfeln und Birnen

Wir hatten mal eine Freundin, die glaubte als Kind jahrelang, es heiße Maul- und Clown-Seuche und wunderte sich immer, was wohl die Kühe im Zirkus zu suchen haben. Selbige Freundin warf vor Jahren einmal eine Frage auf, die seitdem unaufhörlich an uns nagte und fraß, und deren Beantwortung wir jetzt vermelden können: Wieso eigentlich soll man Äpfel und Birnen nicht vergleichen können? Beides ist Kernobst, beides hat einen Stiel, der Apfel ist rund, die Birne nicht ganz. Geht doch, oder etwa nicht?
Wer vergleicht, muss dazusagen, ob er nach Gemeinsamkeiten oder nach Unterschieden sucht. Der philologische Gebrauch des Begriffs fragt nach Gemeinsamkeiten – literarische Vergleiche wie Metaphern, Gleichnisse und Parabeln funktionieren nach dem Prinzip des Tertium Comparationis, einem Analogiepunkt, an dem sich die zu vergleichenden Elemente oder Sphären berühren.
Der umgangssprachliche Gebrauch indes zielt auf die Unterschiede: Eben weil sich Äpfel und Birnen in einigen Punkten unterscheiden, sollen wir sie nicht vergleichen. Ähnlich war das übrigens im Historikerstreit in den 90er Jahren, in dem immer zu hören war, nationalsozialistischen und stalinistischen Terror dürfe man nicht vergleichen. Genaugenommen ist hier gleichsetzen gemeint, nicht vergleichen. Insofern kann man Äpfel und Birnen sehr wohl vergleichen, nur eben nicht gleichsetzen.
Diese beiden Vergleichsstrategien markieren übrigens verschiedene Zeitebenen. Der Bedeutungswandel ist schon im Grimmschen Wörterbuch dokumentiert: „früher ist es mehr die gleichheit, welche bei vergleichen hervorgehoben wird, heute mehr das unterscheidende neben dem gleichen“.
Ha, damit hätten wir dieses Problem abgearbeitet.
(filed under: Anti-Eurovision-Song-Contest-Content)

Kommentar schreiben

Powered by WP Hashcash