Archiv Dienstag, 12. Juni 2007

Kuriosität tötete die Katze

Dienstag, 12. Juni 2007

– I know a few things about you. For starters I know you’re interested. You stayed when all your friends left.
– I’m curious in a way.
– Curiosity turns me on.

– Ich weiß eben ein paar Dinge von dir. Zum Beispiel, dass du interessiert bist. Sonst wärst du nicht allein hier geblieben.
– Wirklich merkwürdig.
– Merkwürdiges zieht mich an.

Aus dem Film If these walls could talk 2, 1971er Episode mit Michelle Williams und Chloe Sevigny. Sehr merkwürdig.
Nun ist es ja immer leicht, sich über Filmsynchronisation lustig zu machen. MeinFavorit stammt aus Terminator 2, wo Linda Hamilton inmitten einer wilden Verfolgungsjagd auf dem Highway brüllt: „Take the offramp“, also soviel wie „nächste Ausfahrt raus“. In der deutschen Fassung kreischt sie in höchster Aufregung: „Nimm die abgelegene Rampe“ – ein Satz, der den Adrenalinspiegel jäh gen Null absinken lässt.
Der Spaß hört aber auf, wo wir auf DVDs allerorten mit unabschaltbaren Warnhinweisen bombadiert werden: Raubkopieren sei ein schweres Verbrechen, für das wir mit mindestens! fünf! Jahren Gefängnis! rechnen müssten, und mit dem wir die Filmindustrie, die Verleihfirmen und damit letztlich uns! alle! in den Ruin trieben. Hätte man sich mit dem Produkt mehr Mühe gegeben, wäre ich vielleicht auf die Idee gekommen. Solange viel Geld in schlampige Synchronisation anstatt in ordentliche Untertitel gesteckt wird, verzichte ich dankend. Auch auf den Kauf.
Verzeihlich finde ich hingegen den Klassiker der Synchronisations-Missgeschicke, Casablanca. Ist doch wurscht, dass „Here’s looking at you, kid“ schlicht und einfach “Prost!” heißt. „Ich schau dir in die Augen, Kleines“ klingt sehr viel poetischer und lässt sich in beinahe jeder Lebenslage zitieren. Noch genialer aber finde ich: „Du stehst unter Beobachtung, mein Kind“.