Jammerbloggen: verflossene Wörter
Eine lohnende Disziplin, denn wie wir wissen, verschwindet in diesem Internetz rein gar nichts, sondern bleibt, ist es einmal drin, bis in alle Ewigkeit in ihm aufbewahrt. Wer über veraltete Wörter schreibt, darf sich also zu Recht mit verdienstvollen Attributen wie „Pate für entseelte Sprache“ oder „Schutzgeist unschuldig bedrohter Vokabeln“ schmücken.
Ein Paradebeispiel ist dieser Beitrag über verschrauben als Infinitiv zu verschroben. Wir können noch erkiesen beisteuern, den Infinitiv von erkoren, den kein Mensch mehr kennt, geschweige denn gebraucht. Und gestern lief uns spreiten über den Weg, fast hätten wir eine Wette abgeschlossen, dass das gar nicht im Duden steht. Die hätten wir verloren: sprei|ten, veraltend für ausbreiten.
Der Zusammenhang war „das spreitende Mandelölbad aus der Schweiz“, das ist vielleicht die Ursache für die unerwartete linguistische Offenbarung. Also die Schweiz jetzt, nicht das Mandelölbad. Wobei – dieses Mandelölbad funktioniert „durch einen auf der Wasseroberfläche verbleibenden feinen Lipidfilm, der beim Verlassen des Bades als dünne Schicht auf die Hautoberfläche aufzieht“. Diesen Vorgang vor Augen, kann man eigentlich nicht anders als bewundernd auszurufen: Sieh, es spreitet!
(Die Angebote des besserwisserischen Männchens aus der Abteilung Rechtschreibprüfung – spreizet, streitet – schlagen wir getrost in den Wind.)
Einmal kam die sechsjährige Nichte einer Freundin ins Zimmer, sichtlich schmollend und verstimmt. Die Freundin sprach: “Was ficht dich an, Kind?”
Dienstag, 3. Juli 2007, 13:07 Uhr von isaboDas Kind kennt seine Tante und berichtete, was es anfocht.
Später hörte ich allerdings, das Kind habe einem anderen Kind auf dem Spielplatz ebendiese Frage gestellt und natürlich blankes Unverständnis geerntet.
Hehe. Na, solange das Kind weiterhin diese Frage stellt, ist sie noch nicht ausgestorben.
Dienstag, 3. Juli 2007, 18:39 Uhr von Nicola