Sportprosa
Dienstag, 10. Juli 2007Fußball ist bei Intellektuellen erst vor ein paar Jahren in Mode gekommen, aber Boxen und Literatur haben schon länger etwas miteinander zu tun (Hemingway, Brecht). Womöglich steckt dahinter die Regel: Je prolliger die Sportart, desto einfallsreicher lässt sich darüber schreiben. In der gestrigen SZ jedenfalls schildert Ulrich Hartmann einen Kampf zwischen den Boxern Brewster und Klitschko mit den folgenden Worten:
„Brewster betrat um 23.15 Uhr in stolzer Haltung und einer zum Mantel genähten Goldfolie die Kölnarena, und er verließ sie exakt eine Stunde später in geknickter Verfassung und mit demselben Kleidungsstück, das an seinem zermürbten Körper nun aber aussah wie eine Wärmefolie aus dem Erste-Hilfe-Kasten. Der 34-Jährige war von Klitschkos gestreckter Linker im Stakkato einer Nähmaschine 18 Minuten lang und mit 162 Treffern derart hochfrequenziell beklopft worden, dass er die Anregung seines Trainers dankbar annahm, am Ende der sechsten Runde bei noch klarem Verstand und unverwundeter Mimik einfach aufzugeben.“
Der Boxfan unter den Lesern freut sich über das ironisierte Bild des gedemütigten Verlierers, der Verächter über die Ironisierung des Boxens an sich. Der Klugscheißer behauptet, das Wort hochfrequenziell stehe gar nicht im Duden, und der Stilist nörgelt, der Verfasser möge sich entscheiden, ob er Herrn Brewster in oder mit einem Kleidungsstück auftreten lassen wolle. Alle aber müssen zugeben: Einander beklopfen ist ein wirklich schönes Synonym für boxen.