Gegen die Wand
Mittwoch, 1. August 2007Wer kennt es nicht, das Gefühl, nicht mehr beurteilen zu können, ob etwas Selbstgeschriebenes gut oder völliger Unsinn ist. William Faulkner hat dafür ein schönes Bild gefunden: „Er hatte das Gefühl als säße er auf der einen Seite einer Wand und das Papier wäre jenseits der Wand, und seine Hand mit der Feder hätte die Wand durchstoßen und schriebe in völliger Finsternis. Manchmal wußte er nicht mehr, ob die Feder noch auf Papier schrieb oder schon nicht mehr“.
Das ist ein Zitat aus Stephen B. Oates’ Faulkner-Biografie, übersetzt von Matthias Müller* – keinem sonderlich guten Buch. Es kommt ganz ohne Anmerkungen aus, weshalb nicht klar ist, woher die obige Metapher nun eigentlich stammt, und für unseren Geschmack ist es zu romanhaft: „Er stand am staubigen Stadtrand von Los Angeles, ein einsamer kleiner Mann aus Mississippi, und starrte auf MGMs Culver-City-Studio…“.
Aber das Bild ist gut.
* Wir sind uns nicht ganz sicher, ob die zitierte Passage nicht eher im Konjunktiv I stehen muss; “das Gefühl haben” ist ja kein Irrealis, oder? Na, egal.