Archiv Mittwoch, 19. September 2007

Das Jemenlachs-Projekt

Mittwoch, 19. September 2007

Der PR-Chef des britischen Premierministers hat es auch nicht leicht. Aus dem Nahen Osten nur schlechte Nachrichten, besonders der verdammte Irakkrieg kommt partout nicht voran. Angehörige verschwundener Soldaten mobilisieren ihre Abgeordneten, die dann im Parlament unangenehme Fragen stellen. Die Medien berichten auch schon kritisch, die öffentliche Meinung kippt. Positive Meldungen müssen her, und zwar schnell.
Da kommt dem umtriebigen Kommunikations-Chef eine Superidee unter: Seine Exzellenz Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama, westlich orientierter jemenitscher Millionär und begeisterter Lachsfischer, plant die Ansiedlung Tausender schottischer Lachse in einem Wüsten-Wadi im Jemen, um seinen Landsleuten das Fliegenfischen näher zu bringen. Geld spielt keine Rolle, politische Einwände gibt es nicht, im Gegenteil. Leider sind die britischen Beamten, die dem Scheich dabei helfen könnten, zu blöd, um das Potential hinter dieser Idee zu erkennen – sie wenden doch tatsächlich ein, im Jemen sei es viel zu warm, das Wasser zu sauerstoffarm und die Weideplätze im Nordatlantik zu weit entfernt. Eine Schnapsidee, behaupten diese Idioten rundheraus.
Da üben wir mal ein wenig Druck auf die Fischereiabteilung des Umweltministeriums aus. Die müssten sich bloß ein bisschen Mühe geben, und schon sprängen dabei lauter positive Nachrichten über die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und dem Nahen Osten heraus. Und ein schönes Foto vom Premier beim Lachsfischen im Jemen. Was, der kann gar nicht angeln? Dann bringt es ihm gefälligst bei. –
So ungefähr sieht das Geschehen in Paul Tordays Buch Lachsfischen im Jemen (original Salmon Fishing in the Yemen, übersetzt von Thomas Stegers) aus der Sicht von Peter Maxwell aus, dessen reales Vorbild unschwer auszumachen ist, ebenso wie das des Premierministers. Im Verlauf des Jemenlachs-Projekts passieren ein paar unerwartete Dinge, und sein Ende wird mit einem Unglück besiegelt, einem schrecklichen Unglück. Allerdings nicht für die beteiligten Lachse.
Eine fiese Politsatire, dieses Buch, typisch britisch womöglich, jedenfalls so absurd, dass man es für wahr zu halten geneigt ist. Zumindest aber für möglich. Und man lernt eine Menge über Fische.
Leseprobe hier.