Archiv Dienstag, 23. Oktober 2007

Busfahren in Hamburg (6)

Dienstag, 23. Oktober 2007

Neben großen Schiffen, der Alster und solchen Sachen gibt es noch etwas, was Hamburg hat und Berlin nicht: den Doppelschlenki. Ein Doppelschlenki ist ein Bus mit zwei Ziehharmonikagelenken – sehr lang und deshalb gut geeignet zur Illustration einer eisernen Regel des Busfahrens, die zugegebenermaßen auch außerhalb Hamburgs gilt. Wir alle sollten sie auswendig lernen, für den Fall, dass wir einmal sehr alt werden: Je klappriger auf den Beinen wir sind, desto weitere Wege legen wir im schwankenden Bus zurück.
Das geht so: Besagten Doppelschlenki betreten wir durch die hintere Tür. Wir warten ab, bis der Fahrer abgewartet hat, ob wir uns setzen wollen. Wollen wir nicht, jedenfalls nicht da hinten. Sobald der Bus anrollt, beginnt unsere schlingernde Reise. Unser Ziel ist der vorderste Sitz, direkt hinter dem Fahrer. Wegen der Gehhilfe in der einen und der Einkaufstasche in der anderen Hand können wir uns nur unzureichend festhalten. Macht aber nichts. Helfende Hände schließen sich rechts und links um unsere Oberarme, gelegentlich kippen wir fremden Leuten auf den Schoß. Unbeirrt setzen wir unsere trunkene Wanderung fort, taumeln vorbei an Kinderwagen, stolpern über kleine Hunde, immer knapp am Rand des Niedergangs, bis wir unser Ziel erreicht haben. Besetzt. Macht aber nichts. Die meisten Leute sind doch nach wie vor auffallend höflich und geben ihren Sitzplatz anstandslos für uns auf. Ist ja auch nur noch für eine halbe Station.
Das wollen wir uns gut merken und später genauso machen.

Busfahren in Hamburg - die früheren Folgen