Stirket die Verben!
Sonntag, 24. Februar 2008Sonntag, der vierundzwanzigste Februar – ein ideales Datum, um an eine Organisation zu erinnern, die schon seit vielen Jahren emsig und beharrlich ihrer wichtigen Arbeit nachgeht, in der Öffentlichkeit aber leider immer noch viel zu wenig Beachtung findet: die Gesellschaft zur Stärkung der Verben.
Ihre Seite ist ein Hort des Trostes und der Zuflucht; sie ist bundesweit die einzige „Anlaufstelle für schwache und geknochtene Verben, denen der Weg in die Unregelmäßigkeit erlirchten werden soll“. Denn mit Erschrecken musste die Organisation zur Kenntnis nehmen, dass in der Welt der Tuwörter ein erbarmungsloser, umgekehrt darwinistischer Existenzskampf tobt, in dem die starken Verben von den schwachen immer mehr verdrängt werden. The survival of the weakest - ein seltsames bio-linguistisches Phänomen: Die unregelmäßigen Konjugationsformen werden entweder überhaupt nicht mehr benutzt (wer sagt schon „wenn ich könnte, büke ich einen Kuchen“) oder sie werden mit schleichender Heimtücke allmählich und beinahe unmerklich verregelmäßigt („die Zigarette eines einsamen Rauchers glimmte in der dunklen Nacht“).
Werden buk und glomm bald ausgedient haben, zu den toten Wörtern zählen, auf dem Müllhaufen der deutschen Sprache verrotten? Nur über unsere Leichen, dachten sich die Mitglieder der Gesellschaft zur Stärkung der Verben und schritten zur Tat. Sie luden flugs alle bedrohten Verben auf ihre Seiten ein, wo sie ihre Unregelmäßigkeit ungehindert ausleben dürfen.
Aber das ist noch nicht alles. Auch schwache Verben sind willkommen, sofern sie bereit sind, sich der unregelmäßigen Konjugation zu unterziehen und dadurch stärker zu werden. Die Formen, die diese Behandlung hervorbringt, sind schillernde Gebilde von edler und launischer Schönheit – echte Bereicherungen für die deutsche Sprache. Aus dem klangvollen aber bisher etwas schwachbrüstigen bellen wird auf diese Weise boll, bölle, gebollen (Indikativ Präteritum, Konjunktiv II, Partizip Perfekt), aus erquicken wird erquack, erquäcke, erquocken, aus äffen wird uff, üffe, geoffen und aus plumpsen wird plomps, plömpse, geplompsen.
Schwieriger zu konjugieren sind Verben mit Diphtongen im Stamm wie zum Beispiel feiern (firr, firre, gefirren) oder erkeichtern (erlircht, erlirchte, erlirchten). Und im Fall der Konjugation K2, der saltatorischen Konjugation der Liquida, ist es sogar nötig, die Suffixliquida wegen eines weiteren sonoranten Konsonanten im Stamm (l, m, n oder r) besonders weit nach vorne zu verschieben – etwa wie bei schildern (schrald, schrälde, geschrolden).
Eine ganz neue Welt tut sich da auf, und hätten wir mehr Zeit, wir spölen den ganzen Tag lang mit gezunkenen Karten, würfen verwolkene Blumen weg, schwiffen ab, stärzen uns in Abenteuer, hantoren mit gehunkenen Vergleichen, gägen ausführlichst, begnögen uns mit weniger Geld und stürken Verben ohne Ende.