Traumurlaub

Endlich Ferien.
Damit wir nicht aus der Übung kommen, gehen wir jetzt jede Nacht zur Schule. Vorgestern Nacht mussten wir mit einer Bombe in der Pausenhalle umgehen, einem Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, noch scharf. In einer hastig einberufenen Dienstbesprechung wurde die Parole ausgegeben: Der Betrieb muss weiter gehen, Unterricht darf auf keinen Fall ausfallen, die Öffentlichkeit darf nichts merken. Die Hausmeister wurden zu dem Problem befragt und erklärten tapfer, zwar hätten sie noch nie eine Bombe entschärft, wollten es aber mal probieren. Wir hatten Unterricht im Raum direkt nebenan, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt, und mussten Todesängste ausstehen.
Gestern Nacht hatten wir es mit einer unbezähmbaren Klasse zu tun, ebenfalls in einem Raum, den es gar nicht gibt. Er hatte fünf oder sechs Türen und wurde von der Schulöffentlichkeit als Abkürzung benutzt, einmal zog sogar eine Polonaise albern verkleideter Abiturienten durch. Kein Wunder, dass an Unterricht nicht zu denken war. Aus Wut hätten wir beinahe Kinder verprügelt, erinnerten uns aber zum Glück immer noch gerade rechtzeitig daran, dass das verboten ist. Also schickten wir die Störer haufenweise aus dem Raum, konnten uns aber leider nie erinnern, hinter welcher der zahllosen Türen wer darauf wartete, wieder hereinkommen zu dürfen. Beim Nachgucken – Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu – machten wir uns sehr, sehr lächerlich.
Den anderen geht es übrigens genauso, das beruhigt uns ein bisschen. Die träumen zum Beispiel von langzeitkranken Kollegen, die mitten in der Musicalaufführung kostümiert auf die Bühne wanken und bekannt geben, dass sie doch noch länger krank sind. Mannmannmann.

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