Chez Schwob
Neue Dächer für alte Schuppen. Während die Handwerker schwitzend vor dem Fenster herumturnen, sitze ich in Onkel Arnolds bequemem Sessel und lese ein Buch. Sibylle Bedford, Jigsaw. Ein Roman oder eine Autobiografie oder ein autobiografischer Roman über die ersten zwanzig Lebensjahre eines mindestens dreisprachigen Mädchens namens Billi, das zwischen 1911 und 1931 in Deutschland, Italien, England und Frankreich bei unterschiedlichen Personen aufwächst, Verwandten und Nichtverwandten, allesamt Bohemiens mit festen moralischen Grundsätzen. Zu einem Teil ist es auch die Geschichte ihrer Mutter, von der man am Ende gerne wüsste, wann und wie sie gestorben ist. Die Mutter lernt in Sanary-sur-Mer Aldous und Maria Huxley kennen und ist sofort fasziniert von ihnen, wie diese Szene ziemlich anschaulich beschreibt:
My mother had seized the teapot as it reached the table and held on it firmly while engaged with Aldous. She had forgotten she was not in her own house, in turn forgot to do any pouring out: cups remained empty. This was standard absent-minded behaviour. To us, not so to the Huxleys. Maria did not intervene because she was convinced that my mother had found something dreadful inside the teapot (my mother had lifted the lid and gazed abstractedly inside). Meanwhile, with her free hand, she ate all the bread and butter, remarking how delicious it was and why did we never have such a thing in our house. In fact, she was herself.
Das Buch ist in einem exquisiten Englisch geschrieben, das in mir den ständigen Wunsch nach einem Wörterbuch weckt. Das Nachschlagen all der schönen Wörter würde aber leider die Lektüre unterbrechen. Auch kommt eine Kneipe vor, die Chez Schwob heißt. Sehr zu empfehlen, das Buch, eins der besten, die ich gelesen habe in letzter Zeit.