Archiv Mittwoch, 3. September 2008

Von den Zahlen und den Buchstaben

Mittwoch, 3. September 2008

Nun gibt es ja Menschen, die sind total unbegabt im Rechnen. Leider gehören wir dazu. Für uns gilt ungefähr, was für die Elefantendame Ashya aus dem Tokioter Zoo zutrifft:

Elefanten können rudimentär rechnen. Sie können addieren und subtrahieren. Allerdings nicht so präzise wie wir. Es handelt sich eher um eine Art Mengenlehre. Elefanten erkennen Anzahlen und wählen immer die größere Futtermenge. Die Tiere haben ein Verständnis davon, dass zwei plus drei Futterstücke zusammen mehr ergeben als zwei plus ein Futterstück, und dass diese Futterstücke zusammen ungefähr fünf ergeben. [Quelle: SZ vom 02.09.08]

Das ist traurig, aber so ist es leider. Wir erkennen grob die größere Futtermenge. Grundvoraussetzung für diese Art mathematischen Verständnisses ist ein gestörtes Verhältnis zu Zahlen – wahrscheinlich ausgelöst durch ein schwerwiegendes Kindheitstrauma oder so. Neulich im Urlaub versuchten wir verzweifelt an Geld zu kommen mit Hilfe einer PIN, die uns partout nicht einfallen wollte. Wir waren schon längst wieder zu Hause und hatten DAS Buch (Weltliteratur!), in dem wir alle wichtigen Ziffern aufbewahren, dreimal durchsucht, als uns diejenige Zahlenkombination zufällig in die Hände fiel. Sie war sehr sehr anders als alles, was wir vorher ausprobiert hatten. Und dabei ging es ja noch nicht mal ums Rechnen.
Aus Reue erzählen wir noch schnell einen englischen Zahlenwitz, bevor wir das Thema für immer fallen lassen:
Why is 5 afraid of 6? 7 8 9. Ha ha.
Mit Buchstaben kennen wir uns dafür umso besser aus. In derselben Ausgabe derselben Zeitung schreibt der Edelkritiker Joachim Kaiser über Bayreuth, und zwar unter der Überschrift: „Mehr Askese, mehr Unpopuläres. Mahnung eines besorgten Kritikers“. Joachim Kaiser fanden wir stets zu pathetisch. Aber der Satz, der dem Ganzen die Krone aufsetzt, lautet: „Mir ist nur zu klar: Einige der Genannten sind bereits tot, andere beklemmend alt.“ Tote sind tot, das ist nur zu klar. Und man muss nicht begründen, warum beklemmend und alt nicht zusammen passen. Man kann auch einfach sagen: Joachim Kaiser ist beklemmend alt, er sollte nicht mehr veröffentlichen.