Archiv Montag, 13. Oktober 2008

Close, but no cigar

Montag, 13. Oktober 2008

Also, ich sach ma: So was is mir ja noch nich passiert. Da renn ich nu jahrelang immer in die Uni und lerne ganz viel über Literatur und so, und denn wird dieser Preis da in Schweden verteilt und ich kenn den nich. Also, den Preisträger jetze. Nu könnt ich ja ganz fies sein und dreist behaupten, dass das die Schuld is von diesem Komitee, was da immer die Preise verteilt. Dieser Herr Engdahl oder wie der heißt, der hat ja auch schon diese komischen Sachen über die amerikanischen Autoren gesacht. Und 1901 hat den Preis der Paul Heyse gewonnen, der nu wirklich grottenschlechte Sachen geschrieben hat, echt jetz ma. Das wären dann schon zwei Argumente dafür, dass das Komitee schuld is, dass ich jetz diesen Herrn Clézio nicht kenne, also dass das Komitee einfach mal wieder total falsch entschieden hat. Und das dritte Argument is, dass sie vor paar Jahren mal denselben Preis an so einen chinesischen Lyriker verteilt haben, und den kannte ich auch nicht, und den musste man nämlich auch gar nicht kennen.
Aber dann dachte ich, dass es jetze möglich sein könnte, dass ich den Herrn Clézio doch kenne. Meine Mutter hat nämlich im Radio ein Interview gehört mit der Frau Heidenreich aus dem Fernsehen, die sich immer so gut mit Büchern auskennt und immer sacht, was man lesen soll und was nich. Die kannte den Herrn Clézio nämlich und wusste, dass er so rund um die vierzich Bücher geschrieben hat, und sie, also die Frau Heidenreich, hat zwanzich davon gelesen. Hat se jedenfalls in dem Interview gesacht, sacht meine Mutter, und die hats ja im Radio gehört. Und dann, sacht meine Mutter weiter, sollte in dem Interview die Frau Heidenreich mal sagen, was der Herr Clézio denn so für Bücher geschrieben hat, also wo die von handeln und wie die denn so heißen. Und da hat die Frau Heidenreich gesacht, sacht meine Mutter, die das ja wie gesacht alles im Radio gehört hat, dass der so Ethno-Sachen schreibt – also so hat das jetze meine Mutter ausgedrückt, die Frau Heidenreich hat das wohl ein bisschen mehr würdevoll formuliert – und dass der auch Kinderbücher geschrieben hat und dass eins davon Fliegender Stern heißt und ein Indianerbuch ist, so Ethno-Kram ebend. Und, sacht meine Mutter so zu mir, das Buch kennst du doch. Ich so: Ich? Nee. Dann fang ich an ein bisschen genauer nachzudenken und dann fällts mir doch wieder ein, das war das Buch, wo ein Indianerjunge vorkam, der hieß Fliegender Stern, wie schon der Titel ganz richtich sacht, und der wollte Pferdezüchter werden, und denn wollte ich auch Pferdezüchter werden, nicht etwa Pferdezüchterin. Boah, sach ich zu meiner Mutter, dann hab ich ja schon als Kind die Literatur von nem Nobelpreisträger gelesen, boah, kein Wunder, dass ich so interessiert an Literatur geworden bin. Ja, sacht meine Mutter, ich fand ja Fliegender Stern auch immer sehr gut.
Naja, was jetze noch kommt, würd ich lieber nich erzählen, aber ich fühl mich da irgendwie verpflichtet: Ich hab dann doch nochmal im Internetz nachgeguckt, und Fliegender Stern is in Wirklichkeit von der Ursula Wölfel, und das Buch von dem Herrn Clézio heißt Fliehender Stern und is überhaupt gar kein Indianerbuch. Naja, und was das in Beziehung auf den Preis und das Komitee und so bedeutet, das könnense sich ja jetz selber ausrechnen.