Reise Reise
Donnerstag, 16. Oktober 2008Reise Reise.
Der Bäcker von Laboe ist da. Mit frischen Brötchen steht er an der Pier.
Diesmal gab es sogar Kaffee ans Bett.
Reise Reise.
Der Bäcker von Laboe ist da. Mit frischen Brötchen steht er an der Pier.
Diesmal gab es sogar Kaffee ans Bett.
Sie erinnern sich sicher an die berühmte Passage aus dem Film Pulp Fiction, in der die Auftragsmörder Vincent Vega und Julius Winnfield (John Travolta und Samuel L. Jackson) im Auto unterwegs sind und sich darüber unterhalten, wie diverse amerikanische Fast-Food-Produkte in Europa heißen. Die Szene, auch bekannt als „Royale-with-Cheese-Dialog“, ist an sich schon ziemlich absurd, weil sie die Banalität der Unterhaltung kontrastiert mit dem tödlichen Auftrag, den die beiden Killer zu erfüllen haben.
Noch grotesker wird die Szene, wenn man sie in Shakespeare-Englisch übersetzt – sie scheitert dann schon einmal grundsätzlich daran, dass zu der Zeit in England noch keine Kartoffeln bekannt waren, geschweige denn Cheeseburger. Da muss man einfallsreich sein und sich etwas anderes ausdenken.
Das stammt von einer Seite, die zu den tollen Dingen in diesem Internetz gehört, (da wird nicht etwa nur eine einzelne Filmszene übersetzt, sondern gleich der ganze Film…).
VINCENT: Also, you know what they call a Quarter Pounder with Cheese in Paris?
JULES: They don’t call it a Quarter Pounder with Cheese?
VINCENT: No, they got the metric system there, they wouldn’t know what the fuck a Quarter Pounder is.
JULES: What’d they call it?
VINCENT: Royale with Cheese.
JULES: Royale with Cheese. What’d they call a Big Mac?
VINCENT: Big Mac’s a Big Mac, but they call it Le Big Mac.
JULES: What do they call a Whopper?
VINCENT: I dunno, I didn’t go into a Burger King.VINCENT: And know’st thou what the French name cottage pie?
JULIUS: Say they not cottage pie, in their own tongue?
VINCENT: But nay, their tongues, for speech and taste alike
Are strange to ours, with their own history:
Gaul knoweth not a cottage from a house.
JULIUS: What say they then, pray?
VINCENT: Hachis Parmentier.
JULIUS: Hachis Parmentier! What name they cream?
VINCENT: Cream is but cream, only they say la crème.
JULIUS: What do they name black pudding?
VINCENT: I know not;
I visited no inn where’t could be bought.
Also, ich sach ma: So was is mir ja noch nich passiert. Da renn ich nu jahrelang immer in die Uni und lerne ganz viel über Literatur und so, und denn wird dieser Preis da in Schweden verteilt und ich kenn den nich. Also, den Preisträger jetze. Nu könnt ich ja ganz fies sein und dreist behaupten, dass das die Schuld is von diesem Komitee, was da immer die Preise verteilt. Dieser Herr Engdahl oder wie der heißt, der hat ja auch schon diese komischen Sachen über die amerikanischen Autoren gesacht. Und 1901 hat den Preis der Paul Heyse gewonnen, der nu wirklich grottenschlechte Sachen geschrieben hat, echt jetz ma. Das wären dann schon zwei Argumente dafür, dass das Komitee schuld is, dass ich jetz diesen Herrn Clézio nicht kenne, also dass das Komitee einfach mal wieder total falsch entschieden hat. Und das dritte Argument is, dass sie vor paar Jahren mal denselben Preis an so einen chinesischen Lyriker verteilt haben, und den kannte ich auch nicht, und den musste man nämlich auch gar nicht kennen.
Aber dann dachte ich, dass es jetze möglich sein könnte, dass ich den Herrn Clézio doch kenne. Meine Mutter hat nämlich im Radio ein Interview gehört mit der Frau Heidenreich aus dem Fernsehen, die sich immer so gut mit Büchern auskennt und immer sacht, was man lesen soll und was nich. Die kannte den Herrn Clézio nämlich und wusste, dass er so rund um die vierzich Bücher geschrieben hat, und sie, also die Frau Heidenreich, hat zwanzich davon gelesen. Hat se jedenfalls in dem Interview gesacht, sacht meine Mutter, und die hats ja im Radio gehört. Und dann, sacht meine Mutter weiter, sollte in dem Interview die Frau Heidenreich mal sagen, was der Herr Clézio denn so für Bücher geschrieben hat, also wo die von handeln und wie die denn so heißen. Und da hat die Frau Heidenreich gesacht, sacht meine Mutter, die das ja wie gesacht alles im Radio gehört hat, dass der so Ethno-Sachen schreibt – also so hat das jetze meine Mutter ausgedrückt, die Frau Heidenreich hat das wohl ein bisschen mehr würdevoll formuliert – und dass der auch Kinderbücher geschrieben hat und dass eins davon Fliegender Stern heißt und ein Indianerbuch ist, so Ethno-Kram ebend. Und, sacht meine Mutter so zu mir, das Buch kennst du doch. Ich so: Ich? Nee. Dann fang ich an ein bisschen genauer nachzudenken und dann fällts mir doch wieder ein, das war das Buch, wo ein Indianerjunge vorkam, der hieß Fliegender Stern, wie schon der Titel ganz richtich sacht, und der wollte Pferdezüchter werden, und denn wollte ich auch Pferdezüchter werden, nicht etwa Pferdezüchterin. Boah, sach ich zu meiner Mutter, dann hab ich ja schon als Kind die Literatur von nem Nobelpreisträger gelesen, boah, kein Wunder, dass ich so interessiert an Literatur geworden bin. Ja, sacht meine Mutter, ich fand ja Fliegender Stern auch immer sehr gut.
Naja, was jetze noch kommt, würd ich lieber nich erzählen, aber ich fühl mich da irgendwie verpflichtet: Ich hab dann doch nochmal im Internetz nachgeguckt, und Fliegender Stern is in Wirklichkeit von der Ursula Wölfel, und das Buch von dem Herrn Clézio heißt Fliehender Stern und is überhaupt gar kein Indianerbuch. Naja, und was das in Beziehung auf den Preis und das Komitee und so bedeutet, das könnense sich ja jetz selber ausrechnen.
Endlich Ferien. Die anderen fahren nach Paris und Lanzarote, wir bleiben in unserem Heideort und gucken zu, wie sich die Blätter färben. Und wir stehen nicht um sechs Uhr früh auf, das wollen wir doch mal feststellen.
Die Stöckchen-Kultur ist nicht mehr das, was sie einmal war. Wer eins zugeworfen kriegt, stöhnt auf und verdreht entnervt die Augen. Die wenigen Stöckchen, die man gern beantwortet, hat man, in abgewandelter Form, schon fünfmal im Blog. Mit Stöckchen beschäftigen sich heutzutage nur noch Sechzehnjährige.
Dagegen muss etwas unternommen werden, denn das Stöckchen ist eine echte Webzwonull-Pioniergattung, die kann man nicht einfach so aussterben lassen. Wir könnten den Verein zur Rettung des Stöckchens gründen, aber die wichtige ehrenamtliche Arbeit in unserem anderen Verein verlangt unsere volle Aufmerksamkeit. Deshalb wandeln wir flugs das herkömmliche Stöckchen ein Stöck weit ab (höhö) und erfinden uns eine neue Literaturgattung – das Stöckchen danach.
Es funktioniert so: Man nimmt sich einfach einen fertigen Blogbeitrag (einen eigenen oder einen fremden, ganz egal) und bastelt ein Stöckchen, auf das dieser Beitrag antwortet. Der Antwortende hat das Stöckchen beantwortet, bevor er gefragt wurde; er hat keinen Gedanken daran verschwendet und kann doch von sich behaupten: Ich habe ein Stöckchen beantwortet. Und, sehr wichtig, ein Stöckchen mehr ist in der Welt.
Das Stöckchen danach – tut nicht weh, macht keine Arbeit und ist doch ein Stöckchen. Es lebe hoch!
Das folgende Stöckchen danach werfen wir hinüber zu Frau Isabo. Die braucht sich darum gar nicht zu kümmern, denn sie hat es bereits beantwortet.
Das neunfragige langweilig-und-doof-Stöckchen
1. Welches Spiel ist langweilig und doof?
2. Welche Ihrer Charaktereigenschaften hindert Sie daran, dieses langweilige und doofe Spiel zu spielen?
3. Obgleich Sie selbst sich mit so etwas nicht beschäftigen – können Sie verstehen, dass andere Leute ein so langweiliges und doofes Spiel spielen?
4. Wie sind eigentlich Leute, die etwas so Langweiliges und Doofes spielen?
5. Was genau muss man eigentlich bei dem Spiel machen?
6. Und wie lange muss man das Spiel spielen, damit es auch wirklich langweilig und doof wird?
7. Nennen Sie vier interessante und kluge (oder zumindest langweilige und doofe aber nützliche) Dinge, die Sie tun, während langweilige und doofe Leute langweilige und doofe Spiele spielen.
8. Wenn man durch frisch geputzte Fenster nach draußen guckt, was kann man dann sehen?
9. Nur um das abschließend noch mal klarzustellen: Wie sind Sie nicht?