Handschuhe auf Zäunen
Sonntag, 18. Januar 2009Sonntag, internationaler Tag des Heidespaziergangs. Auslüften, durchpusten lassen, und was der Mund im Volk sonst noch für Redefiguren dafür kennt. Vor allem aber: einsam sein. Sonntagmorgen um neun sitzt unser Heideort geschlossen in der Kirche, wir können getrost die Hände in den Hosentaschen vergraben, den Blick auf den morastigen Boden richten und lauthals mit uns selbst hadern. Die Farben sind dunkles Gelb, dunkles Grün, Braun in allen Schattierungen. Erdig.
Wir zählen elf verlorene Taschentücher, davon zwei Herrenmodelle aus Stoff. Drei halbe Handschuhpaare auf Zäunen, wofür es übrigens bei Dingens eigens eine Gruppe gibt, ebenso wie für wartende Hunde und Baumfrisuren. Die vereinzelten Wacholderbüsche inmitten des Heidekrauts allerdings waren gerade beim Frisör, sie sind akkurat gestutzt und sehen sehr ordentlich aus. Das Heideflüsschen war, ganz im Gegensatz zur großen Schwester Elbe, die ganze Zeit eisfrei, sieht aber dennoch so aus als friere es. Als fröre es?
frie|ren; du frierst; du frorst du frörest; gefroren; frier[e]!; ich friere an den Füßen; mich friert an den Füßen (nicht an die Füße)
Das Flüsschen sieht aus als fröre es an die Füße. Nicht so im Sommer.
