Ali Smith
Auf Ali Smith habe ich hier schon mal ein Loblied gesungen, sie ist eine Autorin, deren Bücher ich unbesehen im Hardcover erwerbe, sobald sie erscheinen. Sie hat ein paar Romane geschrieben, aber auch viele Kurzgeschichten, und obgleich ich gar nicht so gerne Kurzgeschichten lese (zu schnell vorbei), stürze ich mich auf ihre, sobald ich ihrer habhaft werde.
Ihr neuestes Buch heißt The First Person and Other Stories und auf dem Cover ist ein Foto von William Eggleston, das ich schon einmal in einer Ausstellung gesehen habe und das sich mir unauslöschlich eingeprägt hat. Gute Voraussetzungen also.
Ali Smiths Literatur ist zugleich unterhaltend und belehrend, das gefälllt mir sehr, und sie handelt oft von Literatur und von Büchern, auf der Meta-Ebene sozusagen, das gefällt mir noch mehr. In der ersten Geschichte beispielsweise, True Short Story, unterhalten sich zwei Männer über Literatur; der jüngere von ihnen vertritt die These, die Kurzgeschichte sei „in very good shape“, während der Roman „a flabby old whore“ sei. Die Erzählerin kommentiert das lakonisch mit dem Satz: „I idly wondered how many of the books in my house were fuckable and how good they’d be in bed.“ Eine zärtlich-plausible und gleichzeitig irre komische Vorstellung, finde ich, aber Bücher werden bei Ali Smith grundsätzlich sehr ernst genommen. Grammatik auch: Die erste Person aus der Titelgeschichte ist natürlich nicht nur ein Pronomen, sondern auch eine Figur.
Käme das Wort Lesebefehl in meinem Wortschatz vor, ich würde es an dieser Stelle gebrauchen.