Die Hübschigkeit der Schauspieler (1)

Weil es in dem Heideort, in dem wir alle wohnen müssen, kein Kino gibt, haben wir beschlossen, einen Filmclub zu gründen. Die Logistik ist großzügig: Riesensofa, Beamer und große weiße Wand.
Die Regeln sind einfach, und es gibt nur zwei:
1. Reihum zeigt jeder an einem Freitagabend einen Lieblingsfilm, den die anderen anschauen müssen – aufstehen und rauslaufen ist verboten. Das klingt simpel, ist es aber nicht, da die Filmgeschmäcker der Clubmitglieder sehr verschieden sind – alles dabei von Action über Sozialkomik, Science Fiction, Western bis zu 60er-Jahre-Operettenfilmen.
2. Nach dem Film gibt es Diskussion, möglichst gepfeffert.
Wie der Clubname Die Hübschigkeit der Schauspieler zustande kam, daran können wir uns nicht mehr erinnern.

Hotel New Hampshire (1984), mit Rob Lowe, Jodie Foster, Nastassja Kinski, Beau Bridges.

Irritierend – der Kollege besteht auf diesem Wort – wirkt die Hübschigkeit der Schauspieler, insofern war es ein würdiger Auftaktfilm. Diese Röhrenjeans sind sowas von 80er Jahre.
„Keep passing the open windows“ ist natürlich der zentrale Satz des Films. Umstritten ist, ob John Irving kein richtiger Schluss eingefallen ist, oder ob auch am Ende das grundlegende Kompositionsprinzip gilt: Immer die am wenigsten wahrscheinliche Wendung nehmen.
Unklar ist auch, ob nicht zwischen der Aufforderung, sich nicht aus dem Fenster zu stürzen, und dem Gebot, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen, noch irgendwo ein Zusammenhang fehlt. („Da fehlt doch wo ein Zusammenhang!“)
Der Tod ist ein Motiv, aber gelitten und getrauert wird nur im Rahmen der Liebe. Schön traurig ist auch: „Can I get you anything? – Yesterday and most of today.”
Jeder Mensch sollte einen Bären in seinem Leben haben. Wiener Walzer kann auf Dauer nerven.


  1. Sapperlott, dass jemand den Film überhaupt kennt - und auch noch als Lieblingsfilm schätzt! Ich habe ihn seinerzeit lediglich als Bebilderung des Romans empfunden, ohne eigene Handschrift.
    Das (Roman-)Ende ist sehr 19. Jahrhundert, finde ich, es kleckert versöhnlich aus. Meine überzeitliche Lieblings-Kapitelüberschrift “Sorrow Floats” hat es natürlich nicht in den Film geschafft.

    Samstag, 21. Februar 2009, 22:14 Uhr von kaltmamsell

  2. Na ja, ich kannte zuerst den Film und dann das Buch, das prägt. Und die Schauspieler sind nicht nur hübsch (besonders lustig finde ich immer Nastassja Kinski, die als Susie the bear glauben muss, sie sei grottenhässlich), sondern können auch spielen. Versöhnlich - das trifft auch auf das Filmende zu, einige fanden es zu versöhnlich. Ich finds toll.

    Sonntag, 22. Februar 2009, 12:00 Uhr von nicwest

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