Archiv Sonntag, 24. Mai 2009

Amsterdam 1: Fahrradfahren

Sonntag, 24. Mai 2009


Fahrradfahren in Amsterdam. So leer sind die Straßen nicht immer.

Der niederländischen Bahn ist nicht recht zu trauen, aber immerhin sitzen wir auf ihren Schienen nicht in einem ganz normalen IC, sondern in einem „internationalen Schnellzug“. Hinter Amersfort dann in einem umgeleiteten internationalen Schnellzug. „Willkommen im umgeleiteten internationalen Schnellzug Nummer 240“, begrüßt der Schaffner alle neu Hinzugestiegenen und spricht von Personenschäden und technischen Störungen. Später fügt er etwas hinzu von einem Auto auf den Gleisen und einem Brand, was Vlad am nächsten Tag bestätigt – unbeschrankter Bahnübergang.
Kein guter Einstieg, aber weil wir dauernd Durchsagen auf Niederländisch hören, verbessern sich unsere Kenntnisse der Niederländischen Phonetik ganz erheblich. Ich mag besonders die Art, das [s] auszusprechen.
Niemand von uns war je in Amsterdam (ein Grund hinzufahren), wir haben nur im Kopf, was wir im Reiseführer gelesen haben plus ein paar Klischees, zum Beispiel dieses: Na, eine richtige Großstadt ist das ja wohl nicht. Deshalb sind wir erstaunt, dass wir im Straßenverkehr genauso aufpassen müssen wie, sagen wir, in Berlin, vielleicht sogar noch mehr, weil man Fahrräder nicht hört. Mich erschreckt das besonders, denn in meinem Heideort fahren zwar auch viele Leute Fahrrad, prozentual gesehen, aber so viele sind es dann doch nicht.
Ich fotografiere Hunderte von Fahrrädern, auf Brücken, neben Grachten, im riesigen Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof. Ich staune über Arrangements mit erwachsenen Leuten auf Gepäckträgern, mit komplizierten Gepäckaufbauten, mit Tandems, mit Kindersitzen. Ich bewundere das Radwegsystem – ach was, die Fahrradstraßen – die schrillen Klingeln, die Tatsache, dass „Hollandfahrrad“ doch kein Klischee ist.
Abends um neun ist es noch taghell, na klar, wir sind weiter westlich. Die Asterdamer fahren übrigens auch gern Bötchen, vor allem die jungen Leute. Bötchen fahren ist beliebt, aber Fahrradfahren ist Volkssport.


Die Regel lautet: Je schrottiger das Fahrrad, desto dicker die Kette.