Die Mühen der Ebene (2. Juni)
Dienstag, 2. Juni 2009Am frühen Morgen stehe ich neben mir und muss die Bäckersfrau fragen, welche denn nun meine Brötchen sind. Die zeigt nachsichtig auf die richtige Tüte mit einer Geste, die besagt: Ich hingegen bin schon seit vier Stunden wach.
Ein schulfreier Dienstag ist so ungewöhnlich, dass er eigentlich nur in den Ferien vorkommt, und genaugenommen sind auch Ferien, Pfingstferien nämlich. Dessen ungeachtet habe ich so viel zu tun, dass ich mich schon mit schlechter Laune an den Schreibtisch setze. Der Nachbarin – gleichzeitig alte Freundin und Kollegin – geht es genauso, und das ist gefährlich.
Weil wir uns aber so lange kennen, wissen wir, wie mit der Situation umzugehen ist. Beispielsweise klopfe ich an ihre Tür und sage: Keine Post heute, verdammte Scheiße. Oder sie klopft an meine Tür und kommentiert ungefragt meine einsame Tätigkeit am Schreibtisch: Fuckadoodledoo. Das tröstet.
Später trinken wir zusammen Tee und reden über Urlaub, oder vielmehr über die organisatorischen Betätigungen, die zu absolvieren sind, bevor jede von uns überhaupt in Richtung ihres jeweiligen Urlaubsortes aufbrechen kann. In dem Heideort, in dem wir wohnen müssen, eine knifflige Angelegenheit, weil weit ab und schwer erreichbar, besonders ohne Auto. Auch das – das Gespräch über Urlaub – tröstet.
Später am Tag bemerke ich mit Schrecken, dass ich einen Vokabeltest vergessen habe, der seit fünf Tagen auf Korrektur wartet und bis morgen fertig sein muss. Zugegeben, am Wochenende habe ich ein bisschen prokrastiniert, aber sollte das tatsächlich die Strafe…?!
Und Gott sah, dass es so lala war. Aber, dachte er, für fünf Minuten – gar nicht so schlecht.