Die Mühen der Ebene (1. Juni)

Jeder Montag, an dem ich nicht in die Schule muss, zählt dreifach. Die Sonne scheint, es ist leidlich warm, also drehe ich meine übliche Fahrradrunde durch die Nachbardörfer, mit Zwischenstopp auf der Bank am Flüsschen, wo ich immer die Fluss-Fotos mache. Es ist vor zehn, kaum Leute unterwegs, und wenn, dann mit Hunden. Feiertag. Fromme Gegend. Die Leute bereiten sich auf den Kirchgang vor.
Das Ritterlager im Ort erwacht gerade zum Leben, als ich zurückkomme. Ritterfrauen in mittelalterlichen Gewändern holen Lebensmittel aus ihren Autos, um mit den Frühstücksvorbereitungen zu beginnen. Der Anblick erinnert mich an den CSD in Berlin, an die Tunten, die im Tiergarten austreten gehen: Minirock und High Heels, aber im Stehen pinkeln. Da passt doch was nicht zusammen.
„Die bekloppten Ritter rennen schon wieder auf den Radwegen herum“, erzähle ich der Nachbarin, als ich nach Hause komme. Später beim Korrigieren werde ich drei Mal richtig wütend. Auf diese Reaktion kann ich mich inzwischen verlassen.

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