Die Mühen der Ebene (3. Juni)
Mittwoch, 3. Juni 2009Freistunde in der dritten, ich langweile mich wie meistens und rede beiläufig mit Kollegin D., die der AG Englisches Theater vorsteht und auch die Spielleitung hat für das Musical, das der Unterstufenchor in zwei Wochen aufführen wird. Sie muss sich ausdenken und einüben, was die sechsundvierzig Fünft- und Sechstklässler auf der Bühne tun, während sie singen. Auch für Kostüme und Requisiten ist sie zuständig. (Für die Schminke immerhin sorgt die AG Bühnenbild.) Es geht um die Frage: Was, um Himmels Willen, tragen die Wachen?
Ich kenne das Stück nicht, ich weiß nur, es gibt einen König, König Gier mit Namen, der hat einen Haufen Wachen vor seiner Residenz zu stehen, denn irgendwo muss die Masse der Sänger hin. Und diese Wachen müssen irgendetwas anhaben, das einheitlich aussieht, nicht teuer ist, und das möglichst jedes Kind zu Hause im Schrank hat. Und – meine Bedingung – das für eine gewisse ironische Brechung sorgt, ich mag es nicht mimetisch-realistisch.
Die Idee mit Brustpanzer und Umhang verwerfen wir schnell wieder, einheitliche Helme aus Pappe herzustellen ist auch nicht gerade etwas, womit jemand zwei Nachmittage verbringen sollte. Irgendwie kommen wir auf D.s Bruce-Darnell-Imitation auf der letzten Klassenfahrt zu sprechen, die sie in Bademantel und Gummistiefeln absolvierte. Gummistiefel, sage ich. Handschuhe, sagt sie. Ein Handy am Gürtel, sage ich. Alberne 80er-Jahre-Kopfhörer auf dem Kopf, sagt sie.
Als sie nach der nächsten Stunde, das ist die Musical-Probe, wieder ins Lehrerzimmer kommt, berichtet sie, die Kinder seien einverstanden gewesen, hätten aber noch Walkie-Talkies, Sonnenbrillen und coole Schuhe verlangt. Aber nein. Was zuviel ist, ist zuviel.