Die Mühen der Ebene (5. Juni)
Freitag, 5. Juni 2009In der Pause spreche ich mit einer Englisch-Kollegin über ein Buch, das ich ihr geliehen habe, weil ich es mit großer Bewunderung gelesen habe: Sibylle Bedford, Jigsaw. Hier habe ich mal etwas darüber geschrieben. (Den dort zitierten Ausschnitt habe ich in der 11. Klasse als Grundlage zum Üben von Figuren- charakterisierung benutzt: Was für eine Person ist diese Mutter? Mit welchen Mitteln wird sie charakterisiert? Ich habe sie die Szene spielen lassen, mit Teekanne und allem, damit sie sich sie vorstellen und die Komik der Situation verstehen konnten.)
Jedenfalls sagt Kollegin K. über dieses hochgeschätzte Buch, es sei ja ganz nett, nur leider seien da Fehler drin. Zum Beispiel sei da dauernd die Rede von an hotel, wo doch schon ihre Sechstklässler wüssten, dass es a hotel heißt. Ich bin mir sicher, an hotel schon gehört oder gelesen zu haben, weiß aber nicht, ob es nicht womöglich ausschließlich in eben jenem so geschätzten Buch war.
Das Fallenlassen des Buchstabens H, darum geht es, dropping your Hs. Ob der unbestimmte Artikel a oder an heißt, richtet sich nach dem folgenden Laut, nicht nach dem folgenden Buchstaben, das lernt man ziemlich früh im Englischunterricht. Vor Wörtern wie honour, heir, hour steht an, soviel ist klar. Der Oxford Dictionary behauptet, dass die meisten Leute hotel mit einem hörbaren H aussprechen, also mit einem stimmlosen glottalen Frikativ am Anfang des Wortes. Das Nichtaussprechen dieses H sei “distinctly old-fashioned“, aber zulässig, weshalb an hotel nicht falsch sei. Siehste.
Ich hatte allerdings immer gedacht, das Nichtaussprechen des Hs am Wortbeginn sei ein Unterschichtenphänomen. Sibylle Bedford aber gehörte definitiv nicht zur Unterschicht. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich dem nachgehen. Phonetik fand ich schon immer spannend.