Die Mühen der Ebene (5. Juni)
In der Pause spreche ich mit einer Englisch-Kollegin über ein Buch, das ich ihr geliehen habe, weil ich es mit großer Bewunderung gelesen habe: Sibylle Bedford, Jigsaw. Hier habe ich mal etwas darüber geschrieben. (Den dort zitierten Ausschnitt habe ich in der 11. Klasse als Grundlage zum Üben von Figuren- charakterisierung benutzt: Was für eine Person ist diese Mutter? Mit welchen Mitteln wird sie charakterisiert? Ich habe sie die Szene spielen lassen, mit Teekanne und allem, damit sie sich sie vorstellen und die Komik der Situation verstehen konnten.)
Jedenfalls sagt Kollegin K. über dieses hochgeschätzte Buch, es sei ja ganz nett, nur leider seien da Fehler drin. Zum Beispiel sei da dauernd die Rede von an hotel, wo doch schon ihre Sechstklässler wüssten, dass es a hotel heißt. Ich bin mir sicher, an hotel schon gehört oder gelesen zu haben, weiß aber nicht, ob es nicht womöglich ausschließlich in eben jenem so geschätzten Buch war.
Das Fallenlassen des Buchstabens H, darum geht es, dropping your Hs. Ob der unbestimmte Artikel a oder an heißt, richtet sich nach dem folgenden Laut, nicht nach dem folgenden Buchstaben, das lernt man ziemlich früh im Englischunterricht. Vor Wörtern wie honour, heir, hour steht an, soviel ist klar. Der Oxford Dictionary behauptet, dass die meisten Leute hotel mit einem hörbaren H aussprechen, also mit einem stimmlosen glottalen Frikativ am Anfang des Wortes. Das Nichtaussprechen dieses H sei “distinctly old-fashioned“, aber zulässig, weshalb an hotel nicht falsch sei. Siehste.
Ich hatte allerdings immer gedacht, das Nichtaussprechen des Hs am Wortbeginn sei ein Unterschichtenphänomen. Sibylle Bedford aber gehörte definitiv nicht zur Unterschicht. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich dem nachgehen. Phonetik fand ich schon immer spannend.
Jöh! Geben Sie der Kollegin bloß niemals Wolf Hass zu lesen - da ist alles voller Fehler.
(Und jetzt muss ich Audrey Hepburn als Eliza Doolittle aus dem Kopf kriegen, wie sie in Ascot, ganz begeistert von ihrer frisch erlernten Fähigkeit, “Hhhhhhow do you do?” sagt.)
Samstag, 6. Juni 2009, 17:43 Uhr von kaltmamsellDropped aitches (und das hyperkorrekte Voranstellen von ebensolchen, wo keine hingehören) sind ein Merkmal verschiedener regionaler Dialekte in England (und Australien), am bekanntesten das Londoner Cockney. Und damit ist das zumindest ursprünglich auch ein soziales Merkmal.
Allerdings dürfte das hier nicht vorliegen. Bei Entlehnungen aus dem Französischen mit einem stummen h vor dem Vokal (hour) ist in vielen Fällen das h aus der Schreibung auch in die Lautung gewandert (hotel, herb - bei diesem Wort ist in US immer noch kein h vorne). Deshalb gibt es bei diesen Entlehnungen oft beide Aussprachen nebeneinander. Das ist das nicht unbedingt sozial markiert. “An historical fact” liest man immer wieder mal, auch weil’s in bisschen bombastischer klingt.
(Habe gerade Ferien, also Zeit zum Nachgehen. Siehe auch wikipedia dazu.)
Samstag, 6. Juni 2009, 17:50 Uhr von Herr RauHAAS natürlich, Wolf HAAS.
Samstag, 6. Juni 2009, 17:51 Uhr von kaltmamsellJaja, in Bayern sind Pfingstferien, bei uns nächste Woche Zeugniskonferenzen (danke fürs Nachgehen). Ich hab beim Schreiben auch die ganze Zeit an My fair Lady gedacht.
Samstag, 6. Juni 2009, 20:19 Uhr von nicwestTatsächlich habe ich derselben Kollegin vor ein paar Wochen Das Wetter vor 15 Jahren geliehen, das fand sie gut, aber das ist natürlich überhaupt nicht mit den Brenners zu vergleichen. (Der Verschreiber muss irgendwie freudsch sein!?)
Deutsche Rechtschreibung beherrscht Kollegin K. auch nicht, daher findet sie die Fehler bei Wolf Haas auch nicht:)
Montag, 8. Juni 2009, 19:09 Uhr von Kollegin K.Das sind keine Rechtschreibfehler, das sind Grammatikfehler.
Montag, 8. Juni 2009, 22:42 Uhr von nicwestnoch schlimmer
Dienstag, 9. Juni 2009, 6:58 Uhr von Kollegin K.