Archiv Donnerstag, 25. Juni 2009

Die Mühen der Ebene (25. Juni)

Donnerstag, 25. Juni 2009

Jetzt ist schon wieder nichts passiert – Irgendwas ist ja immer. Zwischen diesen beiden Polen spielt sich Tagebuchbloggen offensichtlich ab. Einen knappen Monat lang habe ich das jetzt ausprobiert. Tagebuch war das nur insofern als ich mehr als sonst über meinen Alltag geschrieben habe, oft wählerisch und punktuell, bezogen auf einen bestimmten Aspekt, ein bestimmtes Erlebnis oder eine bestimmte Geschichte – akribisch aufzuzeichnen, was ich wann gegessen habe und wie das Wetter war, ist meine Sache nicht. Nicht selten waren die Einträge auch gelogen oder nur so halb wahr. Diese Art von Tagebuch gewichtet die Tage, verfälscht sie – und macht es den Lesern leichter. Die interessieren sich, hoffe ich, wie ich für Geschichten und nicht dafür, dass ich mir heute die Fingernägel geschnitten habe.
Das Beste am Tagebuchbloggen war mein verdammtes Pflichtgefühl, das mich gezwungen hat, jeden Tag zu bloggen. Manchmal – unerwartet selten – wusste ich nicht, was ich schreiben sollte, und manchmal nicht, wie ich es schreiben sollte. Aber das Ganze war in erster Linie eine Maßnahme, mich selbst zum Schreiben zu zwingen. Insofern war es erfolgreich, sehr sogar.
Leider ist es aber so: Die meiste Zeit des Tages bin ich „abwesend in Arbeit“, und Tagebuchbloggen bedeutet eigentlich, ein Berufsblog zu führen. Das will ich nicht, deshalb muss ich mir noch einmal überlegen, ob und wie ich das Tagebuchbloggen weiterführe.
Jetzt jedenfalls mache ich erstmal Ferien. Bis demnächst.

Die Mühen der Ebene (24. Juni)

Donnerstag, 25. Juni 2009

Zeugnisse. Schüler haben Angst vor schlechten Noten, Lehrer vor Fehlern in den Zeugnissen. Als die Schulbusse weg sind, versammeln wir uns in der Mensa, um sechs Kollegen zu verabschieden, drei in den Ruhestand, drei an andere Schulen. Letzteren wird beschieden, sie könnten sich glücklich schätzen, fürderhin in Orten zu arbeiten, in denen man nachts um drei die Hand vor Augen sehen kann.
Nachmittags kann ich vor Müdigkeit nicht schlafen. Zum Glück haben wir uns für den Abend bei Kollegin L. zur School’s out Party verabredet. Frau L. ist die mit den Rätseln, und natürlich bekommen wir außer reichlich zu essen und zu trinken zwanzig Fragen vorgesetzt, die wir in Gruppenarbeit leidlich lösen können, aber erst, als wir das Fragesystem verstanden haben. Frage fünf lautet beispielsweise: Wer verkaufte länger als zehn Jahre Jacobs Kaffee und wurde dann aus Altersgründen von der Werbeagentur fallengelassen, um Familienszenen mit wechselnden Darstellern Platz zu machen? (Für den Vornamen gibt’s eine Tasse Kaffee extra.) Hätten Sie’s gewusst? Wir auch nicht.
Vorher zeigt uns Frau L. eine neue Installation in ihrem Garten, eine mit Wasser gefüllte Zinkwanne, in der sich eine Seejungfrau inmitten künstlicher Seerosen rekelt. Als jemand fragt, woher sie diese Wanne habe, antwortet sie, die sei von Helmut. Helmut, so stellt sich irgendwie heraus, ist Georgette Dee und wohnt im selben Ort wie Frau L. – sie tritt mit uns eigens auf die Straße vor ihrem Haus, um uns zu erklären: In dem Haus da, mit dem blauen Garagentor, da wohnt Georgette Dee. Und ich dachte immer, so jemand kann nur in Berlin wohnen.