Ich kaufe die Brötchen heute woanders als sonst – oh ja, es gibt durchaus mehrere Bäckereien am Ort – und in diesem Backgeschäft bin ich noch unbekannt. Vier Brötchen will ich haben, normale Brötchen, die in Berlin Schrippen heißen und in München sonstwie und hier einfach normale Brötchen.
Vier normale Brötchen, sage ich mithin. Sagt die Bäckersfrau: Also, es ist so. Vier Brötchen kosten 1,12 Euro. Fünf Brötchen hingegen kosten 1,11 Euro. Sonderangebot.
Ich überlege. Ich brauche nicht fünf Brötchen, ich brauche genau vier. Aber ich kann einen Cent sparen, wenn ich fünf kaufe. Ich kriege mehr für weniger Geld. Was aber, wenn ich das fünfte Brötchen nicht esse, sondern wegwerfe? Muss ich dann nicht ein doppelt schlechtes Gewissen haben, weil ich es verschmähe, obwohl ich dank seiner Existenz einen niedrigeren Preis erhandele?
Es ist ein bisschen gemein, sagt die Bäckersfrau, dass mehr weniger kostet und weniger mehr.
Das finde ich auch, sage ich.
Das fünfte Brötchen, sagt die Bäckersfrau, kostet quasi minus einen Cent.
Dann, sage ich, nehme ich vier fünfte Brötchen, bitte.
Das geht nun leider nicht, sagt die Bäckersfrau. Wie soll ich denn hier – sie zeigt auf den Haufen Brötchen in ihrer Vitrine – erkennen, was ein fünftes Brötchen ist und was ein erstes oder zweites?
Das sehe ich ein. Die Brötchen sehen alle gleich aus.
Dann, sage ich, nehme ich eben fünf Brötchen. Im selben Moment ärgere ich mich, weil ich in die ökonomische Falle getappt bin und unvernünftig entschieden habe.
In Ordnung, sagt die Bäckersfrau. Ich hätte Sie zwar eher für einen Vier-Brötchen-Typ gehalten, aber okay.
Zu Hause stelle ich fest, dass die Brötchen köstlich sind. Ich esse mehr als sonst. Eins mehr, um genau zu sein.
Da gehe ich jetzt immer hin.