…das ich gelesen habe!
“Hab ich noch nie gehört, klingt wie ein Name von Loriot”, kommentierte die Nachbarin respektlos, als ich ihr von der diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgerin berichtete.
Dabei ist das mal eine Nobelpreisträgerin, von der ein Buch bei mir im Regal steht, das ich auch noch gelesen habe! (Im letzten Jahr dachte ich das bloß, aber es stimmte dann doch nicht.)
Das Buch in meinem Regal habe ich nur wegen des Titels gekauft, das mache ich manchmal, genauso wie ich manchmal Bücher wegen des Titels verschenke, zum Beispiel kannte ich mal jemanden namens Harald, dem ich ein Buch mit dem Titel Der Höfliche Harald schenkte, weshalb er fürderhin im Freundeskreis nur noch… – ich schweife ab.
Das Buch der diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgerin, das bei mir im Regal steht und das ich gelesen habe, heißt jedenfalls Heute wär ich mir lieber nicht begegnet, und weil mir dieses Gefühl damals im Buchladen so bekannt vorkam, kaufte ich kurzerhand das Buch. Damals lässt sich genauer datieren, denn früher hatte ich die Angewohnheit, in Büchern zu notieren, wann ich sie gelesen habe, heute mache ich das nicht mehr, weil… – ich schweife ab. In diesem Buch jedenfalls steht auf dem Vorsatzblatt „Dezember 1999“, und das erklärt vielleicht, warum ich mich nicht mehr so recht an das Buch erinnere, obwohl ich es zweifelsohne und ganz bestimmt gelesen habe. Ich habe nur noch ganz vage im Kopf: Sprache. Ja, Sprache.
Sollen andere wortreich begründen, warum Frau Müller den Literatur-Nobelpreis verdient. Meine selbstgewählte Aufgabe besteht darin, zu beweisen, dass sie eine begnadete Titel-Ausdenkerin ist, denn der Titel war ja der alleinige Grund, warum ich damals das Buch, das in meinem Regal steht, und das ich selbstverständlich gelesen habe, kaufte. Auch wenn ich mich nicht mehr so richtig erinnern kann… – ich schweife ab.
Hier jedenfalls sind Titel, die sich Frau Müller ausgedacht hat:
- Im Haarknoten wohnt eine Dame
- Der König verneigt sich und tötet
- Die blassen Herren mit den Mokkatassen
- Der fremde Blick oder Das Leben ist ein Furz in der Laterne
- Der Wächter nimmt seinen Kamm
- Reisende auf einem Bein
- Eine warme Kartoffel ist ein warmes Bett
- Hunger und Seide
Ich sag ja: Sprache.
Hallo! Ich kenn nur wenig Herta Müller und war grad total baff von diesen Titeln. Ich habe es überprüft: Es sind wirklich Buchtitel. konnte es kaum glauben, wundervoll. Gruß, Judith
Freitag, 16. Oktober 2009, 17:19 Uhr von SkiopodeJa, ne?
Freitag, 16. Oktober 2009, 18:01 Uhr von nicwest(Ich würde das auch nie hinschreiben, wenn es nicht stimmte.)