Sächsisch: Drei minus
Samstag, 16. Januar 2010Beim Zeugnisschreiben fallen mir zwei Geschichten wieder ein, die der Berliner Kollege U. vor Jahren mal erzählt hat. Er benutzte sie als Belege für seinen grundsätzlichen Eindruck, dass Schüler gerne einfach hinnehmen, was man ihnen vorsetzt, ohne selbst ein bisschen mitzudenken.
U. pflegte den Brauch, bei der Zeugnisausgabe – nicht bei den Kurzen, sondern in der Oberstufe – ein Unsinns-Zeugnis zu verteilen an einen Schüler, von dem er annahm, dass er nicht beleidigt sein oder einen großen Schreck bekommen würde. Das Zeugnis sah auf den ersten Blick ganz normal und seriös aus, nur enthielt es ein Fach, das es gar nicht gab, zum Beispiel Sächsisch. In den meisten Fällen, erzählte U., war es mitnichten so, dass der betreffende Schüler sich eins grinste und die Herausgabe des echten Zeugnisses verlangte. Sondern er meldete sich und sagte voller Empörung: „Hier ist ein Fehler in meinem Zeugnis! Ich habe doch den Sächsisch-Kurs gar nicht belegt!“
Mit einer achten Klasse machte U. einmal einen Fahrradausflug in Berlin – vom Wedding an den Wannsee oder so. Unterwegs verfuhren sie sich. U. bedeutete der Klasse zu warten, er werde mal jemanden nach dem Weg fragen. Als er zurückkam, sagte er aus Quatsch: „Ach du meine Güte, wir sind an der polnischen Grenze. Habt ihr alle eure Pässe mit?“ Woraufhin ein wilder Protest losbrach: „Sie haben uns überhaupt nicht gesagt, dass wir unsere Pässe mitbringen sollen! Wir wussten das gar nicht! Mann ey, Scheiße.“
Tja, so sind sie wohl.