Die Mühen der Ebene (3. Februar)
Mittwoch, 3. Februar 2010Gestern um viertel nach fünf hatte ich bereits vier Mal Schnee geschaufelt und mir schon so etwas gedacht, da gab die Verkehrsmanagementzentrale die Schulausfall-Meldung für heute heraus. Das war ziemlich früh, aber der öffentliche Nahverkehr in der Region war schon vormittags zum Erliegen gekommen, und heute wären die Schulbusse entweder gar nicht oder unberechen-
bar unregelmäßig gefahren. Nach einigen Telefonkonferenzen war klar, dass das Kollegium sich selbstverständlich zum Dienst ein-
zufinden habe, auch wenn kein einziger Schüler zu betreuen sein würde.
Ich gehe schon allein deshalb hin, um die Schneeberge auf dem Schulhof zu fotografieren. Die Atmosphäre im Gebäude ist friedlich und unheimlich zugleich. Pausen-
halle und Mensa liegen da wie ausgestorben, die Sonne spielt Schattenspiele auf den leeren Gängen. Diese Stille und ein ganz normaler Werktag – das passt nicht recht zusammen. Ein einziger Schüler wird in der Schule gesichtet, er hört sich verlegen den Spott der anwesenden Kollegen an und geht dann stracks wieder nach Hause. Der Hausmeister stöhnt über die Schneemassen, die er in den letzten zwei Tagen mit seinem Baggerchen bewegen musste. Aus einigen Fenstern im Tiefparterre kann man kaum noch etwas sehen – da ist aber auch bloß die selten benutzte Küche drin.
Ich trage ein paar Kisten aus dem alten ins neue Lehrerzimmer, besichtige einige neue Büros, lerne, wie man die Tür namens Eingang B aufkriegt (erst das Knöpfchen drücken, dann schließen) und stelle fest, dass ich, obwohl nicht gerade klein, mein neues Postfach nur auf Zehenspitzen erreichen kann. Nach anderthalb Stunden frage ich höflich, ob ich noch gebraucht werde und gehe wieder nach Hause. Da ist es gerade elf – normalerweise hätte ich bis vier Unterricht gehabt.
Womöglich hätte ich mich am Nachmittag gelangweilt, aber ich habe gerade zwei tolle neue Bücher, dies und dies.