Die Mühen der Ebene (5. Februar)

Im örtlichen Schwimmbad bin ich noch nie gewesen. Es sieht klein aus von außen, das zugehörige Freibad hat vor anderthalb Jahren dicht gemacht, und es ist beliebt bei Schülern – was sollen die auch sonst machen in diesem Kaff beschaulichen Heideort. Zwei von ihnen treffe ich bereits auf dem Weg dorthin, sie haben mich aber schon mal vom Zehnmeterbrett springen sehen, deshalb habe ich bei denen nichts zu verlieren.
Ich bin zu spät, die anderen warten schon. Man drückt mir eine Eintrittskarte in die Hand, schnell umziehen, duschen, am Beckenrand versammeln. Bloß nicht ins Wasser, bevor man dazu aufgefordert wird – nicht vergessen, wir sind Schüler. Einschwimmen, dann erste Anweisungen vom Beckenrand: Jeweils in der Mitte der Bahn macht ihr eine Rolle vorwärts. Gleichmäßig ausatmen dabei, sonst kriegt ihr Wasser in die Nase. Natürlich kriegen wir alle Wasser in die Nase. Auch in die Ohren, weshalb wir die nächsten Direktiven nur halb verstehen: Tauchen, vom Beckenrand abstoßen, halbe Rolle… Wir machen das alles sehr beflissen, mit mehr oder weniger Erfolg.
In meiner eigenen Schulzeit bestand Sportunterricht aus mündlichen Befehlen und Pfiffen aus Trillerpfeifen. Heutzutage bekommen die Schüler Arbeitsblätter mit Abbildungen von komplizierten Bewegungsabläufen und mit Arbeitsaufträgen, im Schwimmunterricht sind die sogar laminiert, wegen dem Wasser. Wir bestaunen die Laminate, versuchen das alles zu verstehen, diskutieren ein bisschen, sagen der Übungsleiterin, was sie vielleicht anders formulieren sollte, probieren noch einmal aus, kriegen mehr Wasser in die Nase. Und in die Ohren. Die beiden Schülerinnen, die ich auf dem Weg ins Schwimmbad getroffen habe, schauen interessiert herüber, weitere Schüler haben sich angefunden.
Am Ende ist einer der Kolleginnen schlecht, sie hat im Wasser zu oft die Orientierung verloren. Alle bekommen Pralinen als Dank. Und wir hoffen natürlich, dass die Prüfung gelingt. Nein: Wir wissen das.

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