Die Mühen der Ebene (27. Mai)
Donnerstag, 27. Mai 2010Ich hab mal wieder Lust auf Tagebuchbloggen.
Frau L. brach heute in echte Wuttränen aus, weil der Kopierer nicht tat, was sie von ihm wollte. Letzteres passiert ihr öfter, ersteres habe ich noch nie erlebt, wenngleich ich sie schon häufig laut hadernd vor dem Gerät habe stehen sehen. Sie ist mittlerweile fest davon überzeugt, dass der Kopierer ihr – und nur ihr – gegenüber Gefühle entwickelt hat. Nicht schön, von einer Maschine verachtet zu werden.
Kollegin ohne T wurde dabei beobachtet, wie sie telepathisch unterrichtete – die Schüler in der Klasse, sie draußen auf dem Flur. Warum bei dem Experiment die Tür offen stehen musste, ist nicht ganz klar – womöglich konnten die beteiligten Kräfte keine Wände durchdringen. Oder die Ausschweifung am Abend zuvor hatte die Wirksamkeit der Befähigung eingeschränkt.
Aus Gründen brauchten wir in Deutsch in meiner Fünften den Text des Liedes Hänsel und Gretel. Ich kam bis Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald / Es war so finster und auch so bitter kalt – und weiter nicht. Ein elfjähriges Kind hingegen sang mir umstandslos alle drei Strophen vor, ohne lange darüber nachdenken zu müssen. Das ist mal Allgemeinbildung.