Die Mühen der Ebene (28. Mai)

Wenn die Kollegin, die mit Leidenschaft auf die Jagd geht, davon erzählt, wie sie ihren Hund auf die Jagdhund-Führerschein-Prüfung vorbereitet, ist das immer ziemlich komisch. Allein schon die Jägersprache ist einen eigenen Blogeintrag wert, und auch die seltsamen Verrichtungen, die das bedauernswerte Tier vollführen muss, bringen jeden Nicht-Jäger zum Kichern. Wir haben schon verabredet, dass ich mal zum Training mitkommen und darüber schreiben darf.
Heute, beim Essen in der piefigsten Gaststätte im Ort, erzählt sie, sie habe gestern aus Wut beinahe ihren Hund erschossen. Das Tier besitze gefühlte zwei Gehirnzellen und sei einfach nicht in der Lage zu begreifen, was sie von ihm wolle. Gestern habe sie seine schwächste Disziplin mit ihm trainieren wollen, die Wasserarbeit – wir sehen uns an und heben die Augenbrauen – bei der der Hund eine tote Ente, die sie selbst im Internet für teures Geld habe erstehen müssen, schwimmend apportieren solle, ohne sich durch das ein paar Meter neben ihn aufs Wasser gefeuerte Schrot ablenken zu lassen. Was aber habe ihr Hund getan? Er habe, als das Schrot aufs Wasser prasselte, umgehend beigedreht, sich auf eine Insel geflüchtet und dort erstmal ein Entennest ausgeraubt. Dann sei er hierhin und dahin getanzt und habe alle ihre Befehle komplett ignoriert, auch dann noch, als sie gebrüllt waren. Und dann, sagt sie, immer noch aufgebracht, habe sie gedacht, jetzt reichts, habe nachgeladen und… Feuer, denken wir alle, aber nein – sie habe dann doch nur aufs Wasser geschossen. Jedoch habe sie sich sehr beherrschen müssen.
Wir reden noch ein bisschen über Tiercharaktere, ich erzähle diese Geschichte, und die Jägerin schließt starrköpfig: Und morgen gehe ich wieder meinen Hund anbrüllen. Haben Sie heute schon Ihren Hund angebrüllt?, sagt jemand. Haben Sie heute schon Ihren Hund erschossen?, sage ich. Das ist der Titel für deinen heutigen Blogeintrag, befiehlt U. und steht auf, um zu bezahlen, ich werde das überprüfen.
Guter Titel – aber geht leider nicht. Ich verschenke ihn weiter, nehmen Sie ihn mit, wenn Sie möchten.


  1. Ist doch klar - das arme Tier ist ein Pazifist, der zum Militärdienst eingezogen wurde. Der tut was er kann, um entlassen zu werden.

    Freitag, 28. Mai 2010, 21:20 Uhr von gunda

  2. Nee, der WILL jagen. Nur nicht nach Regeln und mit Prüfung.

    Freitag, 28. Mai 2010, 21:49 Uhr von nicwest

  3. Also dann ein Anarchist - auch gut.
    P.S. Hoffe die Dame ist nicht in Versuchung alle zu erschießen, die nicht so wollen wie sie

    Donnerstag, 3. Juni 2010, 21:14 Uhr von gunda

  4. Das könnte schon sein. Aber zum Glück bringt sie ihr Schießgewehr nicht mit in die Schule.

    Donnerstag, 3. Juni 2010, 21:34 Uhr von nicwest

  5. Glück oder Pech - wer kann das schon wissen

    Sonntag, 6. Juni 2010, 20:12 Uhr von gunda

  6. :-)

    Sonntag, 6. Juni 2010, 20:58 Uhr von nicwest

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