Randnotizen aus der Sommerfrische

Unter anderem bei Thomas Mann begegnet man dem Begriff Sommerfrische. Der passt. Auf der Insel fahren keine Autos, das macht die Luft sauber und die Stille groß. Frisch sind das Meerwasser und die Luft morgens.
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Ohnehin ist der Ferienmorgen das Beste überhaupt, darüber müsste man mal einen Essay schreiben. Der müsste beginnen mit dem Aufwachen und den zweifelhaften Verpflichtungen, die man sich für diesen Tag vorgenommen hast. Die lassen sich jederzeit über den Haufen werfen, wenn man will, der Tag birgt morgens noch alle Möglichkeiten in sich. Besonders, wenn die Sonne scheint. Man kann etwas tun, oder man kann gar nichts tun, man kann dasselbe tun wie gestern oder etwas ganz und gar anderes. Ganz wie man will. Der Essay müsste unbedingt ein Johnson-Zitat enthalten: „Der Tag roch nach jungem Gras in der Sonne“, und er müsste gipfeln in der These, das Allerbeste überhaupt sei ein Morgen in den Sommerferien, der mit einem Bad beginnt. Es ist gerade einmal sieben, niemand anders ist wach, die Sonne scheint, das Wasser ist frisch. Glück.
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Auf der Busfahrt sehe ich, dass in einem Ort alle Fußgängerampeln Haltegriffe haben, damit die Fahrradfahrer beide Füße auf den Pedalen behalten können. Das ist mal praktisch.
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Das Gute an Weltmeisterschaften ist nicht nur, dass guter Fußball gespielt wird, sondern dass gut darüber geschrieben wird. Steht in der Süddeutschen über einen gewissen ghanaischen Torwart: „Bei Fernschüssen hatte er nicht selten Probleme, im Strafraum irrte er manchmal umher wie ein Bustourist, der seine Reisegruppe verloren hat, und bei hohen Flanken schlug er gelegentlich so energisch in die Luft, dass diese womöglich Schmerzen litt.“
Aus ganz anderen Gründen habe ich großes Mitleid mit Ghana.
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SZ: „Klose spricht so leise, dass man ihn sich gern ans Ohr halten würde.“
Ich kann mir nicht helfen, ich finde Frau Merkel großartig, wie sie da so auf der Tribüne sitzt, zwischen lauter Männern, die alle für Argentinien sind, und bei jedem Tor erneut sehr erstaunt guckt, dann aufsteht und babyhaft jubelt, Fäuste nicht höher als der Kopf, damit die Jacke nicht zu hoch rutscht, und beim Hinsetzen jedes Mal einen entschuldigenden Seitenblick auf die sie umgebenden versteinerten Männer wirft. Das ist gekonntes weibliches Understatement.
Nach dem Viertelfinale gibt es Fahrradkorso. Und es gibt einen Laden, der Vuvuzelas verkauft und ungefähr drei Leute haben eine gekauft. Hey hey!
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Die Insel ist übrigens beträchtlich geschrumpft. Nur die Sandbänke im Norden sind größer geworden.
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Und jetzt bin ich wieder zu Hause, es ist heiß, kein Meer in der Nähe, mein Fahrrad ist verstaubt und mein Internetz kaputt. Ich glaube, es ist Zeit für die Ferienenddepression.


  1. Ich bin auch immer gerne auf so eine autofreie Insel gefahren. Zum Auslüften, Nachdenken, In-sich-hören. Vielleicht sollte ich das mal wieder tun.

    Dienstag, 20. Juli 2010, 22:19 Uhr von kid37

  2. Genau, zum Partymachen fährt man woanders hin.

    Mittwoch, 21. Juli 2010, 10:03 Uhr von nicwest

  3. Feriendepression? Was soll das denn sein?

    Freitag, 23. Juli 2010, 17:30 Uhr von gunda

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