Wenn Leute auf Klassenfahrt gehen und ich kann nicht mit, dann find ichs doppelt nett, wenn mir eine von denen vorher einen Gastbeitrag schickt – als Trost sozusagen. Er heißt Die Küchen- papyrus, denn die Autorin vermutet hier eine u-Deklination. Der Duden vermutet, dass der Plural Papyri heißt, aber wenn man das Foto genauer betrachtet, dann weiß man, dass es Papyrus sein muss. Diese Zimmerpflanzen-Fotografien machen mich übrigens schwindelig, weil sie einen Rekord aufstellen in der Disziplin „mög- lichst viele vertikale Linien, von denen keine einzige parallel zum Bildrand verläuft“. Und nach wie vor finde ich es faszinierend, wie viel man über Zimmerpflanzen schreiben kann, ohne dass es langweilig wird.
auf der fensterbank neben dem basilikum stehen zwei kleine papyrus. klein werden sie genannt, da sie in kleinen töpfen stecken. hoch sind sie etwa einen halben meter und die stengel sind verhältnismäßig dünn. der eine steckt in einem plastiktöpfchen, so einer, den man bekommt, wenn man im frühling eine hyazynthe kauft. oder narzissen. sowas billiges, kleines. dieser plastiktopf wiederum steckt in einem blauen übertopf,
dessen herkunft mir jetzt nicht mehr geläufig ist; wahr- scheinlich war mal eine geschenkte pflanze drin, die das zeit- liche geseg- net hat, oder – falls es ihr besser erging – so stark gewachsen ist, dass sie umgetopft wurde. ich weiß es nicht mehr. das interessante an dieser kombination ist jedoch (the point is, and i do have one…) dass dieser plastiktopf alles andere als rund ist. er ist eher von einer spitz-zulaufenden eiförmigkeit, und steckt auch längst nicht so tief in dem blauen übertopf, wie er sollte. der grund hierfür liegt in der unsterblichkeit und dem perfiden überlebenswillen eines papyrus begründet. die pflanze (und ich fang hier gar nicht erst mit diminutiven an) hat inzwischen so viele wurzeln, dass sie den topf sprengen. der papyrus steht auf einem gut zwei zentimeter dicken wurzelfuß, und was genau er in dem topf selber macht, kann ich nur erahnen. es ist aber etwas spitzes… und eiförmiges. mehr weiß ich auch nicht.
der papyrus daneben befindet sich in einem völlig geschlossenen topf. papyrus leben von staunässe, einem zustand, den jede schwächere zimmerpflanze mit blässe, stinkefüßen und letztlichem tod quittiert. nicht so der papyrus. der steht da drauf. der will im wasser stehen. und der in dem geschlossenen gefäß macht, meiner vermutung nach, genau das gleiche wie der in dem plastiktopf, nur, dass der tontopf immer noch stärker ist, und nicht aus der form zu pressen ist. allerdings macht sich die tatsache, dass auch diese pflanze nur noch wurzelmasse im topf hat, daran bemerkbar, dass, wenn man zu wenig wasser da ist, sich die oberfläche von den seitenrändern des topfes löst, und man in unergründliche tiefen blicken kann. wenn man dann wieder gießt, schließt sich dieser abgrund. genau sagen, ob noch erdreich da ist, die wurzeln zu bedecken, kann ich auch nicht, denn die oberfläche ist von moos überwuchert (das moos wiederum stammt aus dem feldsalat, den eine ehemalige mitbewohnerin mal gemacht hat – sie meinte, den jetzt nich so gründlich waschen zu müssen; der sah ja so sauber aus. als ich mir dann an einem grashalm ein stück moos aus dem mund zog, weil es doch sehr knirschte, zuckte sie nur mit den schultern. ich führte das moos dem topfe zu – zu dem zeitpunkt war noch erde sichtbar – und siehe da: eine balsamico/öl marinade macht so einem moos nix aus, das wächst trotzdem weiter (und liebt staunässe… hab ich schon von staunässe gesprochen?)).
insgesamt sind die zwei so ein mittelschöner anblick. neben dem basilikum kommen sie aber ganz gut zur geltung und mein vorsatz für 2011 ist es immerhin, meine zimmerpflanzen umzutopfen, bzw ihnen mal wieder ein bisschen erde zu geben.
wobei ich das mit dem moos eigentlich ganz schön finde.