#lessambitiousbooks
Ein literarisches Twitter-Mem, das ziemlich witzige Einfälle hervorbrachte, war das mit dem Hashtag #lessambitiousbooks – in Deutschland war es nach zwei oder drei Tagen Anfang Januar durch, die Italiener haben noch eine Weile weitergespielt. Zwar gab es das in den USA vor einem Jahr schon einmal, und es ist außerdem ein Ableger von #lessambitiousmovies und #lessambitiousrocksongs, aber trotzdem sehr lustig.
Buchtitel, gerade Klassiker, sind oft, nun ja, sehr ambitioniert; sie operieren mit Superlativen, Extremen und höchsten Gefühlen, und man begreift sofort, warum #moreambitiousbooks niemals funktionieren würde: Krieg und Frieden, Pride and Prejudice, Herz der Finsternis, Die Liebe in den Zeiten der Cholera…
Meine liebsten entkräfteten Buchtitel sind diese:
Schneewittchen und die dreieinhalb Zwerge
Schindlers Einkaufsliste
Fräulein Smillas Gespür für auf den Punkt gekochte Eier
Die platonische Freundschaft in den Zeiten der Hausstaubmilben-Allergie
Das Dschungelheft
Per Mitfahrgelegenheit durch die Galaxis
100 Minuten Einsamkeit
Mein Name sei Müller
In 80 Tagen um den Block
Medizinstudent Schiwago
Schuld und Bewährung
Hundert und eine Nacht
Frühstück bei Starbucks
Der Zauberhügel
Herz der Dämmerung
Der Name des Gänseblümchens
Die BuddenbohmsReasonable Expectations
The Neighborhood According To Garp
The Hamster of the Baskervilles
As I Lay Drying
A Brief History of Thyme
Lord of the Onion Rings
Treasure Peninsular
The Pickwick Post-its
A Passage to Indiana
Lord of the Files
Harry Potter and the Chamber of Commerce
Harry Potter and the University of PhoenixThe Da Vinci Open Source Code
Bridget Jones’s Weblog
Das Blog der Anne Frank
Ronja Raubkopierertochter
The Twitpic of Dorian Gray
Lady Chatterley’s Facebook Friend
Buchtitel sind ja immer eine spannende Sache. Mein liebster Lieblingsautor Uwe Johnson zum Beispiel wollte seinen zweiten Roman ernstlich Beschreibung einer Beschreibung nennen, was ihm zum Glück vom Verlag untersagt wurde. Gone with the Wind sollte ursprünglich Tomorrow is Another Day heißen, Harper Lee wollte ihr Buch schlicht Atticus nennen, statt des wunderbaren To Kill a Mockingbird, und Hitler hatte sich den Titel Viereinhalb Jahre (des Kampfes) gegen Lüge, Dummheit und Feigheit ausgedacht – auch in diesem Fall war der Lektor schlauer. Das kann man im Übrigen hier sehr schön nachlesen.
Vielen Dank fürs Sammeln! (Wobei ich an Die Buddenbohms schon wieder hängengeblieben bin: “Wo ist da..?”)
Sonntag, 15. Januar 2012, 8:26 Uhr von kaltmamsellMan muss natürlich wissen, wer die Buddenbohms sind und dass “Verfall einer Familie” auf sie überhaupt gar nicht zutrifft.
Sonntag, 15. Januar 2012, 9:15 Uhr von nicwestSehr schön. Würde ich gerne in die Schule tragen, diese Idee. Erst mal recherchieren, wie die Originaltitel lauten, dann selber welche erfinden. Und schon weiß man, dass es eine Reihe von Büchern gibt, deren Titel man einfach kennen sollte.
Sonntag, 15. Januar 2012, 13:01 Uhr von Herr RauJa, so könnte es gehen. Ich hab das auch schon überlegt, sah es aber immer daran scheitern, dass Schüler diese Titel alle nicht kennen.
Sonntag, 15. Januar 2012, 14:15 Uhr von nicwest